Auf literarischer Entdeckungsreise im Süden

Von Elfriede Czurda ·

Keine Ahnung, was aus der algerischen Studentin Aďcha, mit der ich in Paris das Studentenappartement geteilt habe, geworden ist – außer Ärztin –, aber für mich ist sie jedenfalls die imaginative Verkörperung der mutigen und emanzipierten Frauen, von denen Assja Djebars Bücher poetisch und anrührend erzählen.

Assja Djebar ist eine der bekanntesten algerischen Schriftstellerinnen. In ihrem (nach Delacroix’ und Picassos berühmten Gemälden) „Die Frauen von Algier“ betitelten Buch artikuliert sie den Motor ihrer poetischen Produktion: Die weibliche Geschichts- und Erinnerungslosigkeit, Folge eines mörderischen Schweigens vor und hinter dem Schleier des Serails, der nicht nur vor allen Blicken außer denen des Ehemanns, sondern auch vor sich selbst verbirgt. Stumm müssen die Frauen sein und blind – der Schleier viel mehr als die Metapher: die Realität eines feudalen Gefängnisses. Sie sollen nicht gesehen werden, sie sollen auch nicht sehen. Sie sollen nicht angesprochen werden, sie sollen auch nicht sprechen. Aber längst brechen sie dieses Tabu: sie sprechen, sie erinnern sich, sie konstitutieren sich in der Erinnerung.

In Assja Djebars Erzählungen hören wir die Stimmen dieses Aufbruchs, die bisher schweigende andere Stimme: „ICH, die Stimme, die bestürzt, von einem zum andern strömt …“ spricht – melancholisch, lebhaft und mutig – vom Weg heraus aus den starren, angeblich von Allah persönlich gegen die Frauen gerichteten Regeln, aus der Isolation des Serails, die einer sozialen Auslöschung gleichkommt. Oft unter Lebensgefahr, beharren die Frauen auf einem angemessenen Platz im von blutigen Unruhen geschüttelten Algerien der Gegenwart.

Assja Djebar: Die Frauen von Algier. Unionsverlag, Zürich 1999.

Elfriede Czurda lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und Wien. 1975 bis 1981 Generalsekretärin und dann Vizepräsidentin der Grazer Autorenversammlung. Zuletzt erschienen 1997 „Die Schläferin“ (Rowohlt) und 1999 „Gemachte Gedichte“ (Mariannenpresse).

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