Aufbruch nach Nicaragua. Deutsch-deutsche Solidarität im Systemwettstreit

Erika Harzer, Willi Volks (Hg.)

Von Werner Hörtner
Sachbuch, Ch. Links Verlag, Berlin 2009. 248 Seiten, € 20,50

In den Zeiten des Kalten Krieges reisten tausende Engagierte aus der damaligen Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik nach Nicaragua. Sie alle wollten das sandinistische Nicaragua unterstützen und beim Aufbau einer sozial gerechten Gesellschaft helfen.

Während die DDR-Regierung die Solidarität mit Nicaragua zur Staatspolitik erklärte und Großprojekte organisierte, stellte die Bundesrepublik ihre staatliche Hilfe ein und unterstützte stattdessen die aggressive Außenpolitik der US-Regierung. Als Gegengewicht bildeten sich zahlreiche Basisgruppen zur Unterstützung kleinerer Einzelprojekte vor Ort.

Im vorliegenden Buch erzählen Reisende aus Ost und West von ihren damaligen Beweggründen, nach Nicaragua zu gehen, ihren Erfahrungen im Land und ihren teilweise exotischen Begegnungen mit den Deutschen aus dem jeweils anderen Teil. Diese waren geprägt von vorsichtiger Neugier wie auch von Desinteresse und Skepsis. Zu sehr unterschieden sich die entwicklungspolitischen Konzepte und die Mentalitäten.

„Aufbruch nach Nicaragua“ ist als Geschichtsbuch und als Lehrbuch interessant. Viele der damaligen Ereignisse und Erfahrungen werden aus heutiger Sicht interpretiert, die damaligen Sehnsüchte und Träume auf den Prüfstand gelegt, Solidaritätsprojekte auf ihre Dauerhaftigkeit untersucht usw. Und wichtige AktivistInnen der Nicaragua-Solidarität kommen zu Wort: die Grünen-Abgeordnete Gaby Gottwald, Hermann Schulz, langjähriger Leiter des Peter Hammer-Verlages, der österreichische Journalist Ralf Leonhard. Aus den vielen Beiträgen ersteht das Nicaragüita der 1980er Jahre wieder auf, werden viele Erinnerungen wach. Lehrreich ist das Buch u.a. durch den Rückblick auf die Nicaragua-Solidarität jener Jahre des Aufbruchs und der Hoffnung und durch die Darstellung von Projekten der aktuellen Solidaritätsarbeit. Zum Abschluss stellen noch zehn Soli-Gruppen ihre heutigen Aktivitäten vor. Zumindest hier wäre es wünschenswert gewesen, auch Österreich einzubeziehen ...

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