Aus den Schlagzeilen, aus dem Sinn

Von Katastrophen betroffene Gebiete brauchen stabile Hilfe. Gerade, weil das Medieninteresse so kurzlebig ist, ist die Politik gefragt.

Von Roberta Rastl-Kircher
Roberta Rastl-Kircher

Der Taifun Haiyan auf den Philippinen liegt jetzt acht Monate zurück. Aus unseren Medien ist er verschwunden. Aus dem Leben der Menschen auf den Inseln Leyte und Samar noch lange nicht. Fisch, Kokosnüsse und Bananen brachten den Menschen ihr Einkommen. Und ihr Auskommen. Seit November müssen die Menschen dort ohne Einkünfte leben.

Fischerboote und Kokospalmen sind zerstört. Die Bananenplantagen werden erst in einem Jahr wieder Früchte tragen. Auch die Gemüsesamen, die sie von Hilfsorganisationen bekommen haben, brauchen Zeit, bis sie sich zu Pflanzen entwickeln.

Besonders schwierig ist es für die Menschen, wieder ein stabiles Dach über dem Kopf zu haben. Die Häuser dort wieder aufzubauen, wo sie vor dem Sturm gestanden sind, ist wegen drohender neuer Taifune nicht sinnvoll. Doch gibt es in der Nähe kaum einen sicheren Ort, wo bauen legal möglich ist. Das Land gehört nicht den Menschen, die dort leben. Großgrundbesitzer bewirtschaften ihr Land zwar oft nicht, wollen es aber auch nicht in anderer Menschen Hände wissen. Der wichtigste Beitrag der philippinischen Regierung zu einer wirksamen Katastrophenhilfe und -vorsorge wäre die seit Jahrzehnten ausstehende Landreform. Nur internationaler Druck kann diesbezüglich etwas bewegen.

Wenn uns hier im reichen Norden solche Informationen nicht zur Verfügung stehen, weil es keinen Platz dafür in den Medien gibt, woher soll der Druck dann kommen? Was die Arbeit in der Katastrophenhilfe ebenfalls erschwert, ist die Logik, die die mediale Aufmerksamkeit für eine Katstrophe mit den Spendenflüssen verknüpft. Spenden bilden den Löwenanteil des Geldes, das in die Katastrophenhilfe fließt. Öffentliche Gelder sind in Österreich dafür kaum zu bekommen.

Deshalb wünschen wir uns von der Politik ehrliches Interesse an und Solidarität mit den Menschen in Katastrophengebieten. Es ist traurig, dass es Österreich als eines der reichsten Länder Europas auch 2014 nicht schafft, die Entwicklungszusammenarbeit zumindest stabil zu halten. Vom Erreichen der berühmten 0,7?% des BIP ganz zu schweigen. Und auch im Fall des Katastrophenfonds schafft es Österreich trotz gegenteiliger Versprechen wieder nicht, die Mittel, wie zugesagt, auf 20 Millionen Euro zu erhöhen.

Solange die politischen Bedingungen hier wie dort so wenig förderlich sind, solange das Interesse der Medien und damit der Weltöffentlichkeit nur punktuell vorhanden ist, und solange die Spenden immer nur kurze Zeit fließen, kann Katastrophenhilfe nur punktuell ansetzen. Kann sie nur die unmittelbare Not lindern. Katastrophen sind schnell vergessen. Langfristige und stabile Hilfe zu leisten ist schwierig.

Ein Lokalaugenschein auf den Philippinen zeigt deutlich: Auch dort, wo Hilfe am nötigsten ist, wo Menschen nach einem Taifun kein Dach über dem Kopf und keinen Cent in der Tasche haben, wollen sie keine Almosen – sie wollen Hilfe zur Selbsthilfe. Dafür sind öffentliche Gelder und Spenden nötig. Auch und gerade dann, wenn unsere Medien die Katastrophen längst vergessen haben.

Roberta Rastl-Kircher ist Presseverantwortliche der Diakonie und war im Mai für die Diakonie Katastrophenhilfe auf den Philippinen.
roberta.rastl@diakonie.at

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