Werner Leiss hört sich um

Balafon trifft Streicher

Die Griot-Gruppe Trio Da Kali und das Kronos Quartett musizieren gemeinsam.

Das Trio Da Kali kommt aus Mali. Für den Gesang sorgt Hawa Kassé Mady Diabate. Sie ist die Tochter von Malis wohl wichtigstem traditionellen Sänger, Kassé Mady Diabate. Hinzu kommt ein Balafon. Es ist das hervorstechende Instrument des Trios, gespielt von Fodé Lassana Diabaté. Er wirkte bereits in den Projekten Afrocubism und Toumani Diabate‘s Symmetric Orchestra. Verschachtelte Linien und perkussive Riffs sind seine Spezialität. Das Balafon, ein Xylophon mit untergehängten Kalebassen als Resonatoren, ist ebenso wie die Ngoni (eine drei- oder viersaitige gezupfte Langhals-Spießlaute) ein Bestandteil der Griot-Kultur. Bass-Ngoni-Spieler Mamadou Kouyaté ist der älteste Sohn eines der bedeutendsten Ngoni-Virtuosen, Bassekou Kouyaté. Er ist auch Mitglied in der Band seines Vaters, Ngoni ba, und sorgt dort für die groovigen Momente. Obendrein ist er in der Hip-Hop-Szene Bamakos engagiert.

Afrikanische Vertonungen. Das Kronos Quartett, ein klassisches Streichquartett, deshalb bestehend aus zwei Violinen, Viola (Bratsche) und Violoncello, wurde 1973 von David Harrington in Seattle gegründet. Die Besetzung wechselte immer wieder, Harrington ist die Konstante. Abgezählt sind es über 60 Veröffentlichungen über die Jahrzehnte, die das Quartett vorzuweisen hat. Zeitgenössische Musik wie von Steve Reich und Philip Glass sind im Programm, mit Astor Piazzolla wurde 1991 ein Album aufgenommen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich das Kronos Quartett mit afrikanischer Musik auseinandersetzt. Ein bis heute auch kommerziell großer Erfolg und eine ihrer bekanntesten Veröffentlichungen ist ihr bereits 1992 erschienenes Album „Pieces Of Africa“. Darauf vertonen sie sieben Kompositionen, die unter anderen von Hassan Hakmoun, Hamza el Din und Obo Addy stammen. Freilich ist es so, dass nicht jedes Projekt, an dem das Kronos Quartett beteiligt ist, die große Offenbarung sein muss.

Dezent begleitet. Auf vorliegendem Album mit dem Titel „Ladilikan“ kann das Ergebnis aber als gelungen bezeichnet werden. Das bestimmende Instrument bleibt auch unter Mitwirkung des Quartetts das Balafon. Das Kronos Quartett hält sich zwar nicht unbedingt im Hintergrund, agiert aber insgesamt angenehm dezent. Allerdings gibt es auch das Stück „God Shall Wipe All Tears Away“. Hier ist die Stimme von Fodé Lassana Diabaté zu hören, begleitet exklusiv vom Quartett. Aber auch hier ist die Stimme das bestimmende Merkmal. Diese verleitete Harrington dazu, sie in Mächtigkeit, Reichweite und Phrasierung mit jener von Mahalia Jackson zu vergleichen. Das Trio Da Kali funktioniert auch ohne Streichquartett, dieses wirkt aber sicherlich verkaufsfördernd.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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