Bangen um Kariba-Staudamm

Die Kariba-Talsperre an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe ist beschädigt. Millionen von Menschen sind in Gefahr, berichtet François Misser.

Der Kariba-Staudamm ist in einem gefährlichen Zustand und könnte brechen. Die 128 Meter hohe und 617 Meter breite Talsperre befindet sich in der Kariba-Schlucht des Sambesi entlang der Grenze von Simbabwe und Sambia. Die Sturzfluten des Abflusskanals haben in den vergangenen Jahren einen großen Krater in den Felsuntergrund gegraben, wodurch das Fundament des Damms ausgehöhlt wird.

IngenieurInnen befürchten, dass der 1960 eröffnete Damm bricht, wenn nicht die dringend notwendigen Reparaturen durchgeführt werden. Eine Tsunami-artige Flut würde innerhalb von rund acht Stunden die Grenze zu Mosambik erreichen und dort 800 Kilometer flussabwärts mit dem Cahora Bassa-Damm einen weiteren Damm zerstören. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit: ExpertInnen geben dem Kariba-Staudamm ohne Reparaturen nur noch drei Jahre, ab dann könne etwas passieren.

Die Kariba-Talsperre wird von der Zambezi River Authority (ZRA) verwaltet, einer Behörde, die den Regierungen Sambias und Simbabwes untersteht. Die ZRA geht davon aus, dass im Fall eines Dammbruchs 3,5 Millionen Menschen gefährdet sind – in Sambia, Simbabwe sowie in Malawi und in Mosambik.

Erinnerung an 1959. Das südafrikanische Risikomanagement-Institut IRMSA erinnert in einem Bericht aus 2015 daran, dass die Kariba-Talsperre – wie der französische Damm Malpasset – vom Architekten André Coyne entworfen wurde. Malpasset im Süden Frankreichs war 1959 Ort eines verheerenden Unglücks, bei dem der Damm brach und 423 Menschen ums Leben kamen.

Bereits seit 2010 sucht die ZRA nach einer Lösung und beauftragte das französische Unternehmen GDF-Suez mit den entscheidenden Eingriffen. Laut dem Plan der französischen IngenieurInnen sollte die erste Phase der Erneuerung drei Jahre dauern. Passiert ist bisher aber noch nichts. Der Start der Arbeiten wurden wegen technischer sowie finanzieller Fragen mehrere Male verschoben: Lange war davon die Rede, dass sie im Mai 2015 beginnen; jetzt spricht Charles Zulu, der sambische Vize-Minister für Energie, bereits von November 2016.

Seit Ende 2014 haben Weltbank, Afrikanische Entwicklungsbank, Schweden und die Europäische Union 294 Millionen US-Dollar in das Projekt investiert.

Dürreperioden. Es gibt auch Stimmen, die die Bedrohung als nicht so unmittelbar sehen, etwa Vertreter der Weltbank oder auch Moises Machava, der technische Manager des Cahora Bassa-Dams in Mosambik. Sie verweisen auf mehrere Dürreperioden in den vergangenen Monaten. Die Dürren haben dazu geführt, dass das Reservoir des Kariba-Damms etwa im Dezember 2015 nur 17 Prozent seines Fassungsvermögens erreichte, im Unterschied zu 53 Prozent im Jahr zuvor.

Die Menschen in der Region fürchten sich allerdings vor Überschwemmungen in der Regenzeit, wie es sie Anfang 2015 gab. Im Zuge dieser Überflutungen kamen über 100 Menschen ums Leben, 15.000 mussten umgesiedelt werden. Es ist nicht klar, welche Auswirkungen Regen in solch einem Ausmaß auf den Staudamm hätte.

Mächtiger Strom: Der 2.574 km lange Sambesi fließt durch Angola, Sambia und Mosambik. Der Fluss entspringt in einer Moorlandschaft des Mitumba-Gebirges im Nordwesten Sambias. Das Einzugsgebiet erstreckt sich über insgesamt acht Staaten. Ein Dammbruch der Kariba-Talsperre würde 3,5 Mio. Menschen flussabwärts des Kariba-Stausees gefährden – in Sambia, Simbabwe, Malawi und Mosambik.

Munition für KritikerInnen. Gelingen die Reparaturen der Kariba-Talsperre nicht, könnte das auch Auswirkungen auf andere Damm-Projekte haben. Sowohl in Europa als auch in den USA werden jene Stimmen lauter, die vor derartigen Kraftwerken warnen. Da wie dort verweisen die GegnerInnen auf die Risiken sowie auf die ökologischen Folgen.

Schon 2011 verabschiedete das Europäische Parlament eine Resolution, die sich gegen eine Finanzierung von Staudämmen in so genannten Entwicklungsländern ausspricht. Der US-Kongress zog 2014 nach. Solche Beschlüsse erschweren die Finanzierung derartiger Großprojekte durch Entwicklungsbanken. Betroffen sein könnte etwa der Bau des Kraftwerks Inga 3 in der DR Kongo, die erste Phase des Mega-Damms Grand Inga.

Die Staudamm-KritikerInnen würden von einem Misserfolg im Fall des Kariba-Dammes wohl entscheidend profitieren.

François Misser ist freier Journalist mit Fokus auf Afrika.

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