Barbara Thaler: Biopiraterie und Indigener Widerstand

Von Anna Wieselthaler
Mit Beispielen aus Mexiko. Peter-Lang-Verlag, Frankfurt/M. 2004, 120 Seiten, EUR 24,50

Die junge Politologin und Hispanistin Barbara Thaler geht in ihrer Diplomarbeit mit dem Titel „Biopiraterie und Indigener Widerstand“ der Frage nach, welche Methoden transnationale Konzerne, deren Handlungsspielraum sich dank internationaler Handelsabkommen nahezu unbeschränkt ausweiten kann, anwenden, um die biologische und kulturelle Vielfalt des Planeten in Privateigentum zu verwandeln.
Die Zerstörung der Diversität und die Schaffung von Monokulturen entpuppen sich bei genauerer Betrachtung selbst lediglich als Etappenziel: Den übergeordneten und weltumspannenden ideologischen „Masterplan“ verortet die Autorin im kapitalistischen Patriarchat, das die Zerstörung und Beherrschung des Lebens selbst und, vor allem im Süden, auch seiner „HüterInnen“ - der Frauen und Indígenas - vorsieht.
Auf eine einführende Begriffsbestimmung von Biodiversität, Bioprospektion und Biopiraterie folgt eine Analyse des politisch-institutionellen Rahmens, der die Anwendung dieser Methoden erst ermöglicht.
Spannend ist vor allem der zweite Teil der Arbeit, worin die Autorin, die 2003 in Wien in Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Ökologie promovierte, konkret auf die Situation Mexikos eingeht. Sie hatte das Glück, unter den Fittichen Gustavo Estevas in Oaxaca im Süden Mexikos forschen zu können. Mexiko, ein Land, das an den Auswirkungen neoliberaler Verträge und Abkommen wie NAFTA, Plan Puebla Panamá, ALCA oder TRIPS leidet. Aber auch das Land mit dem „ersten postkommunistischen Aufstand des 21. Jahrhunderts“ (Carlos Fuentes) - dem zapatistischen Widerstand, dessen Ablehnung des als „Fortschritt“ verkauften Turbokapitalismus in der weltweiten Anti-Globalisierungsbewegung seine Verbündeten fand und findet.
Eine Buch für jede(n), die oder der sich einen Überblick über den aktuellen Biopiraterie-Diskurs verschaffen und mehr über den unbehaglichen Zusammenhang der Ökonomisierung der Gesellschaften im Norden und der ungebremsten Ausbeutung der letzten kulturellen und biologischen Ressourcen im Süden erfahren möchte.

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