Barfuss in die Zukunft

The Barefoot Photographers

Barfuß in die Zukunft

UNESCO / Frederking & Thaler, München 2000, 144 Seiten, 100 Farb- und s/w Fotos, öS 218,-

Gandhis Vision lebt: in Tilonia, einem 2000-Seelen-Dorf im indischen Bundesstaat Rajasthan. Eine funktionierende Dorfgemeinschaft verbessert ihr Leben aus eigener Kraft. 1971 wurde das "Barefoot-College" gegründet: Menschen unterschiedlicher Kasten, Männer und Frauen, Landlose und TagelöhnerInnen leben, lernen und arbeiten hier zusammen. Es gilt der Grundsatz der Gleichheit. Frauen sind wie selbstverständlich in traditionellen Männerberufen tätig. Im SchülerInnenparlament können Jugendliche faule LehrerInnen entlassen.

Alte, bewährte Techniken der Landwirtschaft, Wasserversorgung, Medizin, des Handwerks und der Bildung werden mit moderner Technologie und wissenschaftlichen Erkenntnissen verknüpft - zum Wohle der Menschen und der natürlichen Umwelt. In mittlerweile 150 Abendschulen im weiten Umkreis lernen 3000 SchülerInnen Lesen, Schreiben und Rechnen - großteils unter Solarlampen.

Von Anfang an wurde dieses beispielgebende Projekt von Laien photographisch dokumentiert, der Wandel zum Besseren sichtbar gemacht. Im Laufe der Jahre entstand ein Archiv von 100.000 Bildern. Dieser Schatz wurde bei der Expo 2000 erstmals für die Weltöffentlichkeit gezeigt. Eine Auswahl der faszinierenden Fotos findet sich in der vorliegenden, großzügig gestalteten Dokumentation des Modells Tilonia.

ki


Eduardo Galeano

Die Füße nach oben

Zustand und Zukunft einer verkehrten Welt. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2000, 359 Seiten, öS 269,-

Zum Jahrtausendwechsel publiziert Eduardo Galeano eine kritische Analyse vom Zustand der Welt. Der in Montevideo geborene Journalist ist seiner Leserschaft bekannt durch messerscharfe Gedanken, die das wahre Wesen von Politik und Wirtschaft erfassen. Machtverhältnisse und Ungerechtigkeiten bringt Galeano schonungslos zur Sprache. Mit den beiden Werken "Erinnerung an das Feuer" und "Die offenen Adern Lateinamerikas" erlangte er als erster südamerikanischer Publizist Weltruhm.

Alice im Wunderland müsste heute nicht mehr durch einen Spiegel gehen, um die Welt verkehrt herum zu erleben, nein - sie bräuchte nur aus dem Fenster zu schauen. Bereits ein Blick auf die Weltkarte offenbart Ungerechtigkeit und Lüge: "Der Äquator teilt die Weltkarte, die wir aus der Schule kennen, nicht in zwei Hälften." Sie gesteht zwei Drittel dem Norden und eine Drittel dem Süden zu. "Die traditionelle Geographie raubt den Raum genauso wie die imperiale Wirtschaft den Reichtum raubt, die offizielle Geschichte die Erinnerung raubt und die formelle Kultur das Wort raubt."

In der verkehrten Welt sind die Länder, die über den Weltfrieden wachen, diejenigen, die die meisten Waffen produzieren und den anderen Ländern verkaufen. Die grössten Banken waschen am meisten Dollars aus dem Drogenhandel. Die erfolgreichsten Industrien erkennt man daran, dass sie den Planeten am meisten vergiften. Und der Umweltschutz ist das glänzende Geschäft der Firmen, die die Natur zerstören.

Galeano lässt keinen Bereich der Gesellschaft aus und kritisiert umfassend das kapitalistische Weltsystem. Mehr noch: Er schlägt um sich. Aber nicht unkontrolliert, sondern mit jedem Schlag gezielt ins Schwarze treffend. Seine Attacken und Geschichten belegt er wissenschaftlich genau mit einer umfassenden Quellenangabe. Satirische Anekdoten untermalen die absurde Situation, in welche sich die Menschheit im Namen des Fortschritts selbst gebracht hat.

lym


Peter Stöger

Wo liegt Afrika?

Pädagogisch-anthropologische Grundpositionen zum Nord-Süd-Dialog. Verlag Peter Lang, Frankfurt/M. 2000, 280 Seiten, ca. öS 930,-

Wie schon der Untertitel andeutet, handelt es sich bei diesem Buch nicht um ein Kinderquiz, sondern um unser Bild von der so genannten Dritten Welt, um Fremde und Heimat im Geist, um interkulturelles Lernen ...

Das Buch ist ein Plädoyer für den Dialog, für die geistige Offenheit, für eine Reflexion, die über die eigene Weltsicht hinausführt. Es ist sein erklärtes Anliegen, die Leserin, den Leser zu befähigen, diesen Weg zu gehen, das Eigene tiefer zu verstehen und sich dadurch auch auf das Fremde einlassen zu können, Interkulturalität als Selbstwerdung im Dialog zu verstehen, wie sie Martin Buber entworfen hat.

Der Autor, der an der Universität Innsbruck als Professor für Erziehungswissenschaften tätig ist, will auch Begriffsschablonen wie Erste und Dritte Welt aufbrechen, die ja oft Ein- und Ausgrenzungen verschleiern.

Stögers neuestes Buch ist eine tiefgründige, lehrreiche Auseinandersetzung mit gerade jenen Bereichen, die für die LeserInnen des SÜDWIND-Magazins von großer Bedeutung sind. Es fordert die Bereitschaft, eigene Denkpositionen zu hinterfragen, und es belohnt mit interessanten, manchmal überraschenden neuen Einsichten.

WeH


Wade Davis

Schatten auf den Sonnenuhren

Reisen in innere und äußere Welten. Verlag Frederking & Thaler, München 2000, 216 Seiten, öS 328,-

Der kanadische Ethnobiologe und Bestsellerautor Wade Davis bereiste die unterschiedlichsten Gegenden der Erde und berichtet in seinem neuen Buch in kurzen Kapiteln von den dabei gesammelten Erfahrungen. Dabei lenkt er die Aufmerksamkeit auf Zerstörung von Natur und Kultur. Durch seine kurzen, einfühlsamen Skizzierungen gelingt es ihm vortrefflich, die LeserInnen mit der Problematik der jeweiligen Situation vertraut zu machen. Als Mitglied einer Forschungsgruppe, die die Auswirkungen des "sanften" Tourismus untersucht, besuchte er die nördlichsten Teile Kanadas und die dort lebenden First Nations. Tibet bereiste er gemeinsam mit Jesse Taylor-Die, der von der Idee besessen war, die scheueste aller Wildkatzen, den Nebelparder, zum ersten Mal in freier Wildbahn zu fotografieren. In New York traf er den Schweizer Bruno Manser, der seine Heimat verließ, um mit den Penan-NomadInnen in Borneo zu leben. Als deren Lebensraum von der Holzindustrie zerstört zu werden drohte, wurde Manser der Kopf des Widerstandes. Besonders beeindruckend ist Davis' Beschreibung des Amazonas-Gebietes, seiner unermesslichen Ressourcen und Möglichkeiten und deren gedankenloser Vernichtung.

thd

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen