Bauern-Los

Von Irmgard Kirchner
Meine Großeltern waren Bauern. Wie alle Menschen dieser Erde habe ich bäuerliche Wurzeln. Es ist nur eine Frage, wie viele Generationen man bis dorthin zurückrechnen muss.
In den Industrieländern wird heute die landwirtschaftliche Produktion hoch subventioniert. Dennoch sterben die Bauern einen ökonomischen Tod. Derzeit überleben hauptsächlich die großen Betriebe, deren Produktion den Weltmarkt überschwemmt.
Gäbe es einen freien Landwirtschaftshandel, wären die Entwicklungsländer dabei konkurrenzfähig. Doch die Landwirtschaft ist einer der am stärksten staatlich reglementierten Produktbereiche überhaupt. Eine internationale Arbeitsteilung nach Wettbewerbsfähigkeit (wie etwa in der Autoproduktion) mag man nicht zulassen: Geht es bei der Landwirtschaft doch um das vitale Interesse der Ernährungssicherung, bei der man nicht vom Ausland abhängig werden will. Darüberhinaus erfüllt die Landwirtschaft auch wichtige gesellschaftliche Anliegen wie die Pflege der Landschaft. Die bäuerliche Produktion soll auch nach „nichtökonomischen“ Kriterien wie etwa Ökologie und Tierschutz bewertet werden.

Der Agrarprotektionismus der Industriestaaten, allen voran die USA und die EU, ist das Kernthema der laufenden WTO-Verhandlungsrunde, der so genannten „Entwicklungsrunde“. Der Bereich Landwirtschaft zeigt deutlich, wie unterschiedlich die Interessen auch unter den Entwicklungsländern sind: Der brasilianische Soja-Produzent hat mit der sambischen Bäuerin, die Mais für ihre Familie und für den Verkauf am lokalen Markt anbaut, wenig gemeinsam.
Folgende Seiten zum Thema „Bauern“, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben, geben einen Eindruck von der Vielfalt der Probleme, denen die Landwirtschaft gegenübersteht.
Angesichts dieser Bandbreite kann man auch erahnen, wie schwierig und komplex sich die damit verbundenen Aushandlungsprozesse gestalten. Im schlimmsten Fall wird das „Bauernsterben“ nicht nur im übertragenen Sinn Wirklichkeit.

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