Benjamin R. Barber: Imperium der Angst

Die USA und die Neuordnung der Welt

Von Robert Lessman
Aus dem Engl. von Karl Heinz Silber. Beck-Verlag, München 2003. 276 Seiten, EUR 19,90

Zu den „anderen USA“ (siehe Schwerpunktthema SWM 11/03) gehören selbstverständlich auch Intellektuelle – wie der Professor der University of Maryland, Ben Barber, dessen Globalisierungskritik, „Dschihad vs. McWorld“, in 15 Sprachen übersetzt wurde. Kenntnisreich und überzeugend analysiert der Politologe das, was als Bush-Doktrin gehandelt wird, als ein Imperium der Angst, das den Terrorismus nicht nur nicht besiegen kann, sondern ihm unbewusst sogar in die Hände arbeitet. An einer theoretischen Kontextualisierung anhand von Thomas Hobbes fehlt es dabei ebenso wenig wie an der historischen: Bushs „Achse des Bösen“ komme als 200 Jahre alter klappriger Gaul daher, der seine geistigen Wurzeln letztlich im Selbstverständnis der amerikanischen Einzigartigkeit habe. In der Tat: Das „Imperium der Angst“ reicht leider weit über den Wirkungshorizont eines George W. Bush hinaus.
Barbers Plädoyer für Toleranz, Multilateralismus, Entwicklungskooperation und Demokratisierung ist im Kern ein Remake der Clinton’schen „democratic enlargement“-Doktrin, dessen Berater er schließlich war. Das Buch ist ein brandaktueller Schnellschuss, der auch neuere Entwicklungen im Irak noch thematisiert. In der Eile haben sich verschiedentlich Widersprüche eingeschlichen. Vor allem aber: Die Vereinigten Staaten werden 2003 wohl 450 Mrd. Dollar für militärische Zwecke ausgegeben haben, etwa so viel wie der Rest der Welt zusammengenommen. Das ist nicht einfach Resultat einer ideengeschichtlichen Verirrung. Barber hat es in der Kürze der Zeit nicht geschafft, auch die Dialektik zwischen Machtpolitik und ökonomischen Interessen zu thematisieren. Oder er hat es nicht gewollt, um den positiven Ausblick seines trotzdem unbedingt lesenswerten Buches zu retten.

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