Betrug an der Seele

Von Irmgard Kirchner ·

Werbung gehört zu unserem Leben wie der Verkehrsstau. Keiner will ihn und alle nehmen ihn als unvermeidlich hin. Viele sagen, sie würden Werbung gar nicht wahrnehmen. Andere wiederum halten sich selbst für kritisch genug, um gegen ungewollten Werbeeinfluss immun zu sein. Doch gerade dann, wenn man nicht damit rechnet, erweist sich Werbung am wirksamsten.
Die folgenden Thema-Seiten, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben, setzen sich kritisch mit Werbung auseinander. Deren Einfluss geht viel tiefer und weiter, als gemeinhin angenommen. Im Thema werden die Strategien aufgezeigt, mit denen es die Werbebotschaften schaffen, in unser Unbewusstes einzudringen.

Das Wesen der Werbung legt den Kern unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft bloß:
Im Grunde austauschbare Güter werden mit attraktiven nichtmateriellen Eigenschaften versehen, damit sie gekauft werden. Und hier liegt die eigentliche Täuschung: Das Produkt wird nicht besser gemacht, als es eigentlich ist. Es werden ihm Wesensmerkmale zugeschrieben, die Materie gar nicht haben kann.
Unser Wünsche, unsere Gedanken, unsere Sehnsüchte, unsere Ängste werden korrumpiert.
Der große Betrug liegt nicht darin, zur falschen Produktwahl verführt zu werden, sondern in der Suggestion, dass man Coolness, Schönheit oder Liebe kaufen könne.

Werbung ist nicht nur eine optische und akustische Zwangsbeglückung oder gar Belästigung. Sie verändert unmerklich auch unsere Kultur. Woher kommen denn unsere unhinterfragten Vorstellungen vom guten Leben, vom perfekten (Frauen-)Körper, vom idealen Familienleben? Auch aus der Werbung, die nach und nach das Monopol zum Geschichtenerzählen an sich reißt, die moderne Mythen schafft. In Indien (siehe Seite 30) etwa wird mit Hilfe der Werbung ein fremdes, neues Frauenbild für die kaufkräftige Mittelschicht geschaffen. Die globale Werbemaschinerie ist dabei, auch im Süden verwestlichte Einheitskulturen zu schaffen.

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