Bierwissen in Kürze

Von Conrad Seidl ·

Wer heute irgendwo auf der Welt ein Bier bestellt, bekommt üblicherweise ein helles, leicht schäumendes, ganz leicht süßes und andeutungsweise bitteres Getränk mit etwa fünf Volumsprozent Alkohol serviert. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dieses Bier von einem der fünf Großkonzerne Anheuser-Busch (USA), Interbrew (Belgien), Heineken (Niederlande), AMBEV (Brasilien) und South African Breweries kommt, denn diese vereinen nahezu ein Drittel der Weltbierproduktion auf sich.

Es ist kein Zufall, dass diese Biere recht ähnlich aussehen und schmecken: Denn die modernen Bierstile sind für eine großgewerbliche oder industrielle Produktion entwickelt worden. Das helle, klar filtrierte Bier, das wir heute kennen, hat sich erst durchsetzen können, als in den Industrieländern Biergläser vorhanden waren, in denen man die Pracht auch sehen konnte.

Es waren übrigens zuerst obergärige Biere, die so an das schau- und trinkfreudige Publikum gebracht wurden: Das erste moderne Bier war das India Pale Ale, ein Bier, das mit dem weichen Wasser von Burton on Trent ursprünglich für die englischen Kolonien gebraut wurde, dann aber in London Liebhaber fand, weil es hell („pale“) war.

1842 kam dann das erste helle untergärige Bier aus Pilsen auf den Markt – wir kennen es heute als „Pilsner Urquell“ und wir kennen weltweit Tausende Kopien unter den Bezeichnungen „Pils“, „Pilsner“ oder „Pilsener“.

Allen gemeinsam ist die Verwendung von Gerste, die schonend zu sehr hellem Malz verarbeitet wird, mit mehr oder weniger Hopfen zu einer Würze verbraut wird und dann mit einer untergärigen Hefe vergoren wird. Brauen ist zwar uralte Biotechnologie; in den letzten eineinhalb Jahrhunderten ist sie aber immer weiter verfeinert worden. Pilsner Bier ist ein „helles untergäriges Bitterbier“. Unser gängiges „Märzen“ ist ebenfalls ein helles untergäriges Bier, allerdings ist es eher vollmundig.

Obergärige Biere sind heute nur mehr Spezialitäten – sie sind immer ein wenig aromatischer (weil die obergärige Hefe mit höheren Temperaturen vergärt als die untergärige). Bei uns in Österreich sind Weizenbiere die wichtigsten obergärigen Biere – man kann sie quasi „blind“ daran erkennen, dass sie nach Gewürznelken und Bananen duften. Andere obergärige Biere sind Ales – sie haben in England noch gewisse Bedeutung. Aus Irland kennt man Stouts, kaffeeschwarze und kaffeearomatische obergärige Biere. Und in Deutschland hat neben der bayrischen Weißen auch das dunkle Altbier aus Düsseldorf und das helle Kölsch aus Köln eine gewisse Bedeutung.

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