Big Chiefs

Meja Mwangi

Von Martina Seehuber
Roman. Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2009, 272 Seiten, € 20,70

„Besitz, das war ihr Wohlstand, ihre Seele, ihr einziger Gott“, erzählt der alte blinde Mann. Der kenianische Autor Meja Mwangi zieht in diesem Roman die weißen und schwarzen „Big Chiefs“ für den Völkermord in Afrika zur Verantwortung. Die psychischen, physischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Afrikas, die diese systematische Zerstörung erst möglich und reproduzierbar gemacht haben, werden durch ausführliche Darstellungen sehr deutlich: Die weißen und schwarzen Big Chiefs reichen sich die Hand. Macht, Gier, Unterdrückung und Armut regieren die Bevölkerung und schlussendlich die Big Chiefs selbst. Bis alles vollkommen außer Kontrolle gerät.

Auf eindrucksvoll detaillierte und doch nüchterne Weise berichtet der alte Mann, der in einer Grube vor den Toren einer afrikanischen Großstadt lebt, von den systematischen Gräueltaten der Big Chiefs. In den Geschichten, die von Scham, Eingeständnissen und Wünschen für die Zukunft geprägt sind, arbeitet er seine eigene Vergangenheit auf. Er erzählt sie den MitbewohnerInnen der Grube, egal, ob Diebe, Bettlerinnen oder Klagende, die bei ihm vorbeikommen und versuchen, etwas vom Tabakbaum des Jungen abzubekommen. Der alte Mann wohnt mit dem Jungen zusammen, der durch seine Geschichten und durch die Armut, in der sie leben, vor Wut und Hass innerlich kocht. Schließlich begibt er sich in die Stadt, um Gerechtigkeit zu erzwingen, um die Menschen in der Grube und sich selbst vom nackten Elend zu befreien. Die Mutter, deren einzige Hoffnung der Junge ist, betet mit einer traurigen Vorahnung für ihn und für sich, dass er heil aus der Stadt wiederkommen und sie von ihrer Armut befreien möge. Ob sich ihr Wunsch erfüllen wird?

Mwangi zeichnet in diesem spannenden Roman ein Bild vom ausufernden Kapitalismus und von der großen Armut. Er zeigt aber gleichzeitig, dass jedes vermeintliche Ende ein neuer Anfang sein kann.

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