Blickrichtung Europa

Von Irmgard Kirchner · · 2003/07

Bürgerkrieg (und Erdbeben) in Algerien, der Westsahara-Konflikt, Terroranschläge in Marokko, Ägypten und Tunesien, erstarkender Islamismus, der ungelöste Palästinakonflikt … Es hat eine gewisse Berechtigung, von einer „Unruhezone Mittelmeer“ zu sprechen.
Fast 240 Millionen Menschen leben in den 13 südlichen und östlichen Mittelmeeranrainerstaaten. Im so genannten Barcelona-Prozess will die Europäische Union den politischen und wirtschaftlichen Reformprozess in der Region unterstützen. Eingebunden sind 12 der 13 Anrainerstaaten (außer Libyen). Ziel ist die für 2010 angestrebte Freihandelszone mit der EU. Diese wäre dann mit 30 Staaten und etwa 800 Millionen Menschen der größte Wirtschaftsraum der Erde. Und historisch nichts völlig Neues: Jahrhundertelang bildete das Mittelmeer eine kulturelle Klammer zwischen Europa, Afrika und dem Vorderen Orient.

Auf den folgenden Thema-Seiten geht es vorwiegend um einen Teil der Mittelmeer-Anrainer, den Maghreb, den Westen der arabisch-muslimischen Welt: die Staaten Marokko, Algerien und Tunesien. Für die südlichen EU-Mitgliedsländer Spanien, Frankreich und Italien spielt diese Region eine besondere Rolle – vergleichbar mit dem Interesse der nördlichen und mittleren EU-Staaten an den EU-Anrainerstaaten im Osten. Der Maghreb verfügt über wirtschaftlich interessante Bodenschätze und gilt als Absatzmarkt der Zukunft für europäische Güter.
Doch gegenwärtig leiden die drei nordafrikanischen Staaten unter hoher Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig starkem Bevölkerungswachstum. Die junge Bevölkerung (etwa 40 Prozent sind weniger als 14 Jahre alt) richtet ihren Blick auf Europa, von dem sie das „Meer der Hoffung“ trennt. Die Grenzen der Maghrebstaaten zueinander sind hingegen dicht.
Europa kanalisiert Gelder und Energien in diese Region, auch um die Migration einzudämmen. Die BewohnerInnen der Gebiete unter ehemaliger französischer Herrschaft sind zunehmend unerwünscht – sogar als billige Erntehelfer, wie Axel Veiel in seiner Reportage auf Seite 37 zeigt. Aus Menschen, mit denen Europa eine gemeinsame Geschichte verbindet, werden Fremde, wird eine islamistische Bedrohung gemacht.

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