Boykott verärgert die USA

Die EU weigert sich weiterhin, genmanipulierte Nahrungsmittel ohne Kennzeichnung einzuführen.

Von H.K.
Die unterschiedliche Haltung der EU und der USA in der Gentechnikfrage wurde im Vorjahr nicht nur anlässlich der Auseinandersetzung um die Lieferung von GM-Mais als Nahrungsmittelhilfe der USA für das Südliche Afrika deutlich. Auch die von den EU-Agrarministern Ende November beschlossene Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel verärgerte die US-Regierung. Dennoch wird dieses Gesetz nach seiner voraussichtlichen Billigung durch das Europäische Parlament noch vor Jahresmitte in Kraft treten.
Während eine Sprecherin der EU-Kommission den Beschluss als „wirklichen Durchbruch” begrüßte und David Byrne, EU-Kommissar für Konsumentenschutz, die Möglichkeit der BürgerInnen verteidigte, zwischen Lebensmitteln mit Fremdgenen und solchen ohne genetische Manipulation zu wählen, reagierte das US-Außenministerium negativ. Bereits mehrfach haben die USA der EU mit einem Handelskrieg gedroht, sollte sie ihre seit 1998 de facto bestehende Blockade des Imports von GM-Produkten nicht aufheben. Sollte die EU ihr Moratorium für die Zulassung neuer biotechnisch veränderter Lebensmittel nicht beenden, stellen die USA jetzt in Aussicht, die Welthandelsorganisation einzuschalten.

Nach der neuen EU-Gesetzgebung müssen Produkte, die mehr als 0,9% von in der EU zugelassenem GM-Material enthalten, gekennzeichnet werden. Das schließt auch Zutaten wie Glukosesirup aus GM-Mais oder Sojaöl aus manipulierten Pflanzen ein, obwohl es derzeit keinen Test gibt, der zwischen solchen Produkten und jenen mit Bestandteilen aus nicht manipulierten Pflanzen unterscheiden kann.
Für Produkte, die in der EU nicht zugelassenes transgenes Material enthalten, schreibt das neue Gesetz eine erlaubte Obergrenze von 0,5% Anteil vor. Erstmals wird auch Tierfutter, das GM-Material enthält oder daraus hergestellt wurde, gekennzeichnet werden, allerdings nicht Fleisch und Milchprodukte von Tieren, die GM-Futter erhalten haben.

Auch innerhalb Europas stoßen die neuen Regeln nicht auf ungeteilte Zustimmung. So bezeichnete sie die britische Behörde für Lebensmittelstandards als „nicht durchsetzbar und impraktikabel“, sie würden wegen der Unmöglichkeit des Nachweises geradezu zum Betrug einladen.
Lorenzo Consoli von Greenpeace hingegen freute sich über die vorgesehenen Maßnahmen: „Die Zeiten, in denen man Millionen von Tonnen GM-Sojabohnen und Mais ohne Kennzeichnung in die Nahrungskette einbringen konnte, sind endgültig vorbei.”

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