Brief an einen Schatten. Eine Geschichte aus Kolumbien

Von Werner Hörtner ·

Héctor Abad Faciolince

Testimonio-Literatur. Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg. Verlag Berenberg, Berlin 2009, 200 Seiten, € 24,-

Héctor Abad F. wuchs in einem bewegten und lebendigen Elternhaus auf. Die Eltern waren in ihren geistigen und religiösen Ansichten denkbar gegensätzlich – der Vater, Héctor Abad Gómez, Agnostiker und Linksliberaler, die Mutter aus einem zutiefst erzkonservativen Haus -, und doch waren die beiden einander ihr Leben lang in tiefer Liebe und Freundschaft verbunden.

Der Sohn erzählt die Geschichte seines Vaters und der Beziehung zwischen ihm und seinem Vater. Er erzählt sie als Vermächtnis: „Eine Hommage an die Erinnerung und an das Leben eines beispielhaften Vaters“, sagt er. Am 25. August 1987 wurde der Vater, damals Vorsitzender des Komitees zur Verteidigung der Menschenrechte in Antioquia, erschossen. Ein Schicksal, das auch seinen Vorgänger und seine drei Nachfolger in dieser ehrenamtlichen Funktion ereilte.

1982 wird Héctor Abad G. auf Druck konservativer Kräfte von seinem Professorenposten auf der Universität in Medellín zwangspensioniert – und kann sich nunmehr intensiver der Menschenrechtsarbeit widmen. Eine Aktivität, der in Kolumbien genauso wie dem gewerkschaftlichen Engagement der Stempel des Suizids aufgeprägt ist.

„Die Intelligenz ausradieren“, nennt Carlos Castaño, Führer und später Oberbefehlshaber der vereinigten paramilitärischen Gruppen, die entfesselte Verfolgung und Liquidierung widerständischer Kräfte in der kolumbianischen Gesellschaft. Der Autor lässt auch keinen Zweifel daran, dass die Mörder seines Vaters aus diesen Kreisen kommen. Vorsichtiger wird er jedoch, wenn es um die Hintermänner dieser Verbrechen geht. Mittlerweile sind die Verbindungen zwischen den Paramilitärs und der Politik bis hin zu höchsten Stellen in Kolumbien kein Geheimnis mehr und zur Genüge dokumentiert. Um nicht das Schicksal seines Vaters zu erleiden, flüchtet Héctor Abad F. wenige Monate nach dessen Ermordung nach Europa; es beginnen die Jahre des Exils.

„Briefe an einen Schatten“ ist ein Stück Zeitgeschichte des heutigen Kolumbien. Auch wenn die Gewalt derzeit noch stärker ist im Land: Die Intelligenz lässt sich nicht ausradieren, auch nicht die Solidarität, die Liebe, der Widerstand.

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