Bunt gemischt und motiviert

Bei der jährlich stattfindenden „Südwind Academy“ wird viel diskutiert, gelacht und argumentiert, verschiedenste Aktionsformen werden überlegt und ausprobiert.

Eine Nachhaltigkeitsdiskussion kann auch lustig sein – rechts unsere Gesprächspartnerin Monalisa.

„Ich habe mich während meines Auslandssemesters in Südafrika das erste Mal bewusst mit der Thematik nachhaltiger Konsum beschäftigt, als ich die oft menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen der Farmarbeiter auf den Cape Winelands sah“, erzählt die Tiroler Studentin Monalisa Kathan. Sie las sich dann im Internet in das Thema ein und stieß dabei auf die Südwind Academy. „Ich ergriff diese Chance, um tiefer in das Thema einzutauchen.“

Monalisa nahm dann an der vierten „Südwind Academy“ teil, die heuer Ende August/Anfang September in der südsteirischen Kleinstadt Leibnitz stattfand. In den letzten Jahren hatten immer mehr Personen an diesen Treffen teilgenommen; heuer wurde die Zahl beschränkt, um den Aufbau eines gruppendynamischen Prozesses zu erleichtern. An die 20 Personen folgten der Einladung: Zivildiener und StudentInnen, PädagogInnen, MitarbeiterInnen sozialer Institutionen und Menschen aus der Privatwirtschaft zwischen 19 und 72 Jahren. Eine „bunt gemischte Gruppe“, wie sie Monalisa charakterisiert.

Wie versucht die Studentin, mit der Herausforderung des nachhaltigen Konsums umzugehen? „Im Alltag ist dies oft schwierig. Ich versuche, nach und nach kleine Schritte zu setzen. Zum Beispiel durch den Einkauf regionaler Produkte. Wenn ich auf den wöchentlichen Bauernmarkt gehe, kann ich sicher sein, dass die Lebensmittel aus der Region sind. Produkte, die wir aus dem Süden importieren, beziehe ich nach Möglichkeit über den Fairen Handel – oder ich stelle mir überhaupt die Frage, ob ich dieses Produkt tatsächlich brauche.“ Auch bezüglich der Kleidung hat die Studentin eine gute Idee: „In zwei Wochen werde ich auf meine erste Kleider-Tausch-Party gehen. So kann ich zumindest die Lebensdauer meiner Kleidung verlängern.“

Heuer gab es auch einen Schwerpunkt zum Thema „Made in China“. Philip Doyle, bei Südwind zuständig für die Organisierung der „Academy“, freut sich über die Entwicklung der Cyber-Technik. „Da es zu teuer ist, Leute aus anderen Kontinenten zu unseren Treffen einzuladen, machen wir nun von der Möglichkeit der Skype-Konferenzen Gebrauch. Das funktioniert bestens; man hat den Eindruck, als befände sich der Gesprächspartner tatsächlich im Raum.“ In Leibnitz war die chinesische Arbeitsrechtsexpertin und -aktivistin Debby Chan aus Hongkong virtuell zu Gast. Monalisa: „Während der Präsentation von Debby wurde mir klar, dass es für die Menschen vor Ort schwierig ist, ihren Unmut und ihre Ängste zum Ausdruck zu bringen. Deshalb ist es wichtig, uns mit den chinesischen Arbeiterinnen und Arbeitern solidarisch zu zeigen und unsere Stimme für sie zu erheben und in Aktion zu treten.“

Ein wichtiger Punkt bei diesen Treffen ist das Ausdenken von Aktionsideen – und ihrer praktischen Umsetzung. Zum Beispiel das Aktionstheater, für Monalisa das persönliche Highlight bei der „Academy“. „Keiner von uns war ein geübter Schauspieler, und trotzdem holte Martin Vieregg, der den Workshop leitete, innerhalb kürzester Zeit viel aus uns raus. Es war eine völlig neue und spannende Erfahrung für mich, mich ganz bewusst in eine andere Rolle zu versetzen und dabei auch die Gefühle und Gedanken dieser Menschen nachzuempfinden.“ Spannend war es für die Studentin auch, sich vier Tage lang mit völlig unbekannten Menschen rund um soziale und ökologische Nachhaltigkeit auszutauschen.

In Leibnitz haben erstmals TeilnehmerInnen früherer „Academys“ das Programm mitgestaltet. Monalisa war zufrieden damit: „Durch die interaktive Programmgestaltung wurde es nie langweilig und man war ständig in die Aktivitäten miteinbezogen. Und die gemeinsamen Pausen ermöglichten, einmal genauer nachzufragen, wenn mir etwas unklar war. Es gab Raum für weiterführende Diskussionen.“

Angesichts des bisherigen Erfolges soll es diese Veranstaltung auch weiterhin einmal im Jahr geben, ist sich Philip Doyle sicher. Die daraus hervorgehenden Gruppen von AktivistInnen treffen sich monatlich oder öfter, besprechen Aktionen oder diskutierten bestimmte Themen. Derzeit gibt es Gruppen in Wien, Steiermark, Oberösterreich und Tirol, die mit den jeweiligen Südwind-Regionalstellen zusammenarbeiten.

Monalisa auf die Frage, welche drei Dinge man unbedingt zu einer Südwind Academy mitnehmen müsste: „Viel Energie, Freude am Miteinander und starken Kaffee, da die Nächte oft sehr kurz waren.“

Die Fragen stellte Philip Doyle von der Südwind Agentur. Zusammenfassung Werner Hörtner.

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