Bunte Pest

Von Irmgard Kirchner
Es gehört zur Alltagserfahrung von Reisenden, egal, ob sie den angeblich schönsten Strand weit und breit, die Stille der Wüste oder die Einsamkeit der Berge suchen: Plastik war schon vor ihnen da. Und wird, da praktisch unverrottbar, dort uns alle auch noch lange überleben, wenn es nicht von Tourismusverantwortlichen oder Freiwilligen weggeräumt, also an einen anderen Ort gebracht wird.
1862, vor fast 150 Jahren, wurde in London erstmals eine plastikartige Substanz - Parkesine, benannt nach ihrem Erfinder Alexander Parkes -, vorgestellt. Es folgten Zelluloid (1869), Bakelit (1909), Rayon und Cellophan (1920), Vinyl (1926), Nylon und Neopren (1935) und Polyethylen (1936).
Mit dem Boom der petrochemischen Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg setzte das Kunststoffzeitalter ein. Plastik hat unser Alltagsleben erobert, wie ein kurzer Panoramablick fast an jedem beliebigen Ort zeigt: vom Trinkwasser, das ohne Abfüllung in Plastikflaschen scheinbar nicht mehr vorstellbar ist, über Computergehäuse, Autos, Inneneinrichtung, Kosmetika, Verpackungen, Alltagsgebrauchsgegenstände …

Um nur ein Beispiel zu nennen: Jeder Mensch verbraucht pro Jahr bis zu 150 Plastiksackerln. Weltweit. Wen wundert es, wenn dann auch in einem so genannten Entwicklungsland an jedem Halm auch in von Menschen unbesiedelter Landschaft ein Plastikfetzen hängt. Im Nordpazifik haben die Strömungen einen Plastik-Müllstrudel in der Größe von mehreren Millionen Quadratkilometern zusammengetrieben. Plastik tötet nicht nur unmittelbar unzählige Meereslebewesen. Kunststoffe gelange in die Nahrungskette und schleichend in unsere Körper. Das Wissen um die Gefährlichkeit synthetischer Chemikalien ist allerdings wesentlich jünger als die Plastikindustrie. Seit den 1990er Jahren weiß man, dass sie teilweise natürliche Hormone imitieren, die sexuelle und neurologische Entwicklung beeinflussen und die Fruchtbarkeit schädigen. Und vorerst ist keine Lösung in Sicht, auch nicht in Gestalt von (angeblich) biologisch abbaubarem Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen (siehe Beitrag S. 35).
Die folgenden Thema-Seiten, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben, so unerfreulich und unappetitlich sie sind, rütteln auf jeden Fall auf.

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