Bunter Festivalsommer

Österreich wird in den nächsten Monaten von einem bunten Reigen weltmusikalischer Leckerbissen überzogen – mit einem starken Afrikaschwerpunkt.

Von Werner Hörtner
Seun Kuti & Egypt 80

Die britische Diva Marianne Faithfull, die heuer das 21. Jazzfest Wien am 15. Juni eröffnet, wird zwar nicht der Weltmusik zugerechnet, aber eine interessante Sängerin ist die Pop-Ikone mit den altösterrreichischen Wurzeln auf jeden Fall. Dann geht es „Schlag auf Schlag“: am 23. Juni Cesaria Evora von den Kapverden mit ihrem bittersüßen Weltschmerz, der sodade, deren sehnsuchtsvolle Wehmut der Hoffnung nicht viel Raum lässt.

Seun Kuti & Egypt 80 treten hingegen wesentlich kräftiger und widerständischer auf. Seun ist wie sein verstorbener Vater Fela Kuti ein Hoffnungsträger des jungen Afrika (8. Juli im Arkadenhof). Überhaupt ist der Arkadenhof vom 7. bis zum 10. Juni ein Aufmarschplatz afrikanischer oder Afrika-stämmiger Blues-, Soul- und Jazzmusik.

Wieder einmal nach Wien kommt die verzaubernde Omara Portuondo aus Kuba, begleitet von ihrem ebenso legendären Landsmann, dem Jazzmusiker Chucho Valdes (5. Juli in der Staatsoper). Weitere Stars beim Jazzfest sind der Gitarrist Al Di Meola aus den USA, Bettye La Vette und die Blind Boys of Alabama, Sergio Mendes aus Brasilien, der indonesische Jazzpianist Dwiki Dharmawan, die Sängerin Youn Sun Nah aus Südkorea. Auch heuer gibt es wieder eine Reihe von Gratiskonzerten am Rathausplatz und Musikerinnen-Konzerte auf der Summerstage.
Jazzfest Wien, 15. Juni bis 17. Juli, www.viennajazz.org

Die Afrika-Festwoche „Ke Nako“ in Graz bringt zehn Tage lang einen umfassenden Überblick zu Afrika in die Stadt an der Mur: ein zweitägiges Treffen verschiedener afrikanischer Communities, das erste afrikanische Literaturfestival, ein dreitägiges Open-Air-Festival mit Workshops, Musik und Kulinarik, Workshops für antirassistische Arbeit sowie zu Trommelmusik, Tanzen und Kochen.
Afrika Festwoche 2011, 16. bis 26. Juni, www.chiala.at

Im malerischen Weinviertler Weinort Falkenstein, in dem einige Frauen aus Senegal leben, führt der Verein FalkArt ein Integrationsprojekt durch. In Workshops mit Schulen und Kindergärten sowie in Veranstaltungen für Erwachsene wird der lokalen Bevölkerung das Leben in dem fernen afrikanischen Land nahe gebracht. Dabei kann auch Tanzen, Trommeln, die Herstellung von Kleidung u.a.m. gelernt werden. Und die ganze Woche hindurch bringen senegalesische MusikerInnen afrikanische Klänge in die Kellergasse.
Senegal meets Falkenstein, 18. bis 26. Juni, www.falkart.at

Über das Kasumama-Festival im Moorbad Harbach im Waldviertel haben wir im Südwind-Magazin schon von Anfang an berichtet; heuer findet es bereits zum elften Mal statt. Rund um einen Badeteich in herrlicher Natur findet das familienfreundliche Afrika-Festival mit einem breiten Kunst- und Kulturangebot für Kinder und Erwachsene statt.

Einige Musikgruppen kommen direkt aus Afrika angereist, etwa die Sängerin Princess Elivava aus Ghana, der Sänger und Gitarrist Elemotho aus Namibia, der mosambikanische Star Stewart Sukuma, weiters in Österreich und anderen europäischen Ländern lebende und arbeitende Gruppen.
Kasumama Afrika Festival, 6 bis 10. Juli 2011, www.kasumama.at

Vor 15 Jahren erlebten in der Kremser Sandgrube die „Glatt & Verkehrt“-Tage ihre Premiere, im Hof der dort angesiedelten Winzergenossenschaft. Eineinhalb Jahrzehnte später hat sich Österreichs größtes Weltmusikfestival zeitlich und inhaltlich ausgedehnt. Es erstreckt sich nunmehr fast über den ganzen Monat Juli, das Publikum ist konstant gewachsen – mit vielen BesucherInnen, die alljährlich in die Sandgrube fahren – und an den Schwerpunkttagen treten jeweils drei Gruppen auf. Und eineinhalb dutzend europäischer Radiosender übernehmen Sommer für Sommer die Ö1-Mitschnitte von „Glatt&Verkehrt“ zur Ausstrahlung.

In den ersten Wochen des Festivals, das heuer am 9. Juli beginnt, sind es Plätze in und um die Wachau, wo die Veranstaltungen stattfinden: Kirchen, Heurige, Stift Göttweig. Zum Auftakt treffen JodlerInnen aus dem Alpenraum auf MusikerInnen aus Litauen, gefolgt von „Handorgel-Pfeifen“ aus Belgien und der Schweiz sowie von den schrägen trinkfreudigen Stars des neuen Wienerlieds, dem Kollegium Kalksburg, dem Boban i Marko Markovicˇ Orkestar und anderen Gruppen.

Das Hauptprogramm ist am 27. Juli MusikerInnen aus der New Yorker Avantgarde-Szene und aus Österreich (Attwenger und Holstuoanarmusigbigbandclub) gewidmet, am 28. Mexiko, am 29. Großbritannien, am 30. Afrika und am Abschlusstag Spanien. Vor dem Mexiko-Tag muss gewarnt werden! Es wird keine Mariachi-Schmalzmusik zu hören sein, sondern der einzigartige Canto Cardenche, eine aussterbende Gesangsart, Musik zu Nahuatl-Texten und ein explosives Schlagzeugensemble aus Tambuco.
Glatt&Verkehrt, 9. bis 31. Juli, www.glattundverkehrt.at

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