Chamäleon Cacho

Von Christina Schröder · · 2009/03

Raúl Argemí

Roman. Übersetzt von Susanna Mende. Unionsverlag, Zürich 2008, 160 Seiten, € 14,90

In einem Krankenhaus irgendwo im argentinischen Patagonien erwacht ein Schwerverletzter nach einem Autounfall. Er kann sich an nicht viel erinnern, außer an seinen Namen und dass er, Manuel Carraspique, Journalist ist. Der Ich-Erzähler scheint in einer verzweifelten Lage zu sein; das Interesse an der Geschichte seines im Sterben liegenden indigenen Bettnachbarn, der in einem religiösen Wahn seine Familie geopfert haben soll, hält ihn jedoch wach.
Er versucht, soviel wie möglich zu erfahren, bekommt jedoch nur Fragmente – scheinbar nicht zusammenhängende Geschichten von verschiedenen Personen. Gemeinsam mit Carraspique will man herausfinden, wer diese Personen sind, von denen so viel in Erfahrung gebracht wird und wie sie mit dem Opfermord zusammenhängen: ein ehemaliger General aus der Zeit der argentinischen Militärdiktatur, ein Betrüger, der sich als Arzt ausgibt, ein anderer, der sich als Pfarrer tarnt. Erst am Ende wird klar, wie Vergangenheit, Gegenwart und die Geschichten der Protagonisten verschmelzen, endlich werden die unzähligen, sich während der Lektüre aufbauenden Fragen vorerst beantwortet.
Der Autor Raúl Argemí gibt sich damit jedoch nicht zufrieden: „Der ‚Faustschlag‘ dient letztlich dazu, den Leser zum Weiterdenken zu bewegen. Selbst ich denke noch viel über den Roman nach“, sagt er in einem im Anhang des Romans abgedruckten Interview. Und tatsächlich, so schnell man das spannende Buch auch durchlesen muss, umso länger bleiben die Erinnerungen an die einzelnen Geschichten. Themen wie die Gräuel der Militärdiktatur und die Rolle der Indigenen in Südargentinien werden durch die unmittelbaren und wechselnden Erzählperspektiven den LeserInnen nähergebracht, beim Nachdenken verwandeln sie sich in Fragen nach Identitäten und Opferrollen.
Argemí war in der Militärdiktatur selbst Gefangener und wurde auch gefoltert.

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