Chimichurri & Co.

Das Ende des Rundfunkmonopols eröffnete nicht-kommerziellen freien Radios neue Möglichkeiten. Bei Radio Orange in Wien und Radio Agora in Kärnten sind multikulturelle Initiativen fester Bestandteil des Sendeprogramms.

Von Peter Mandorfer
Chimichurri ist ein argentinisches Grillgewürz. Für Eliana Crisafulli mit brasilianischen Wurzeln und den Argentinier Walter Sadaba ist es der ideale Name für die Sendung, die sie bei der nichtkommerziellen Radiostation FM Orange in Wien gestalten. "Wir wollen zeigen, daß es in Lateinamerika mehr Musikrichtungen gibt als Salsa und Samba", betont Eliana, "Wir wollen in unseren Sendungen die kulturelle Vielfalt Lateinamerikas dokumentieren. Dabei geht es uns vor allem um aktuelle Trends. Es sollen KünstlerInnen vorgestellt werden, die hier noch keinen Namen haben. Dazu wollen wir vermitteln, was derzeit in Lateinamerika gehört wird."

Gleichzeitig möchten Eliana und Walter ein Forum bieten, über das die lateinamerikanischen Vereine und Initiativen in Wien voneinander erfahren und miteinander in Verbindung treten können.

Einen politischen Diskurs zu führen, steht für Walter Sadaba, der vor fünf Jahren nach Wien kam, nicht im Vordergrund. "Neben Musik interviewen wir Persönlichkeiten aus Lateinamerika, die in Wien zu Gast sind, und bieten einen Ort, wo lateinamerikanische Gruppen in Wien ihre Aktivitäten präsentieren können. Ebenfalls Lateinamerika zum Mittelpunkt hat die halbstündige Nachrichtensendung "Sopa", die jeden Mittwoch ausgestrahlt wird. Zielgruppe sind spanischkundige InteressentInnen am aktuellen Geschehen in Lateinamerika.

Eine intensive Begegnung mit Afrika ermöglichen die von der Initiative "Radio Tribüne Afrikas" gestalteten Sendungen, die neben Musik Platz für Live-Diskussionen und Interviews mit afrikanischen PolitikerInnen und Kulturschaffenden bieten.

In Kärnten hat sich Radio Agora der mehrsprachigen Begegnung im Alpen-Adria-Raum verschrieben. Fixer Bestandteil des Programms ist eine jeden Samstag mittag ausgestrahlte Sendung zu entwicklungspolitischen Themen, die Andy Bärnthaler vom ÖIE-Kärnten gestaltet.

Träger des nichtkommerziellen Radios "FM Orange" ist der "Verein zur Förderung und Unterstützung von Freien Lokalen Nichtkommerziellen Radioprojekten", der sich 1993 aus der regen PiratInnen-Radioszene Wiens Anfang der neunziger Jahre herausbildete.

Ebenso wie Radio Agora ist er Teil von acht freien Radios in Österreich. Koordiniert wird der Betrieb von Radio Orange durch sieben angestellte MitarbeiterInnen in der Schubertgasse 10 im 9. Wiener Gemeindebezirk. Dort befinden sich auch die Studio- und Vorproduktionsräume.

Die Finanzierung erfolgt zu einem Drittel durch öffentliche Subventionen für einzelne Themenschwerpunkte wie Kinder und Jugend, Kultur und Frauenradio. Ein weiteres Drittel soll durch Einnahmen finanziert werden, die zum Beispiel durch das Angebot von Radiokursen erwirtschaftet werden. Für den Rest sollen freiwillige Abonnementgebühren sorgen, die von 400 bis 1200 Schilling pro Jahr gestaffelt sind.

Wichtig ist uns, das Gefühl zu vermitteln, daß Radio nicht nur von speziell ausgebildeten Fachleuten gemacht werden kann, sondern ein Wissen ist, daß man sich durch 'learning by doing' erwerben kann", betont Fiona Steinert vom hauptberuflichen Team von Radio Orange. So steht sie Initiativen, die Radiosendungen machen wollen, mit ihrem technischen Wissen zur Seite.

Radio Orange lebt mit seinem breiten Angebot an Themen vom Engagement von rund 300 frei- und nebenberuflichen RadiomacherInnen und versteht sich als Platz für Experimente und Sendungen, die anderswo nicht gehört werden können. Besonderes Augenmerk wird bei Radio Orange und bei Radio Agora auf das Einbeziehen von SchülerInnen in das Radiomachen gelegt.

Der Autor ist freier Mitarbeiter des SÜDWIND-Magazins und lebt in Wien.

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