Solidarität in Zeiten von Corona

Alle(s) solidarisch? In vielerlei Hinsicht ist Solidarität in Europa rar geworden, nicht zuletzt für Geflüchtete. Ein Kommentar von Christine Tragler.

Hände waschen. Abstand halten. Zuhause bleiben. Seit einer gefühlten Ewigkeit haben wir diese Handlungsanweisungen verinnerlicht. Das öffentliche Leben ist drastisch eingeschränkt. Die Welt bleibt – so gut es geht – sicherheitshalber daheim. Die Corona-Krise zeigt die Notwendigkeit eines solidarischen Umgangs miteinander.

Gleichzeitig legt sie auch die Schieflagen unserer Gesellschaft offen. Nicht alle können im Homeoffice arbeiten. Viele wurden innerhalb der vergangenen Woche arbeitslos. Und was machen Menschen, die kein Zuhause und wenig Möglichkeit zum Händewaschen haben? Wer kümmert sich um jene, die keinen Abstand halten können, weil sie an der griechisch-türkischen Grenze in überfüllten Lagern leben?

Nicht nur die Schulen und Restaurants sind seither geschlossen, noch dichter wurden die Grenzen gemacht. Jedes Land ringt um eine nationale Lösung. Corona dominiert die Aufmerksamkeitsökonomie, während an den EU-Außengrenzen die Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden. Solidarität in Europa ist rar geworden, noch rarer für Geflüchtete.

Europa unsouverän. In der Zwischenzeit treten viele afrikanischen Regierungen routinierter und entschlossener auf als europäische. Wie sich der Spieß umgedreht hat und mit dem Coronavirus nicht Afrika, sondern Europa zum Seuchenherd geworden ist, hat Dominic Johnson letzte Woche in der taz beschrieben.

„Die Welt auf den Kopf zu stellen und ganz und gar neu zu machen“ – die Vision einer gerechteren Welt war die Triebfeder für Nicaraguas berühmtesten Dichter, Priester und Revolutionär, Ernesto Cardenal. Ende Februar ist der Befreiungstheologe 95-jährig verstorben (wir haben aus diesem Anlass eine Spurensuche gemacht). 

Neustart mit Solidarität & Hirn. Vielleicht sollten wir nach überstandener Corona-Krise auf Cardenal hören und überlegen, wie wir unseren so globalisierten Globus besser machen können. Nach der Pandemie heißt das doch etwa: Gesundheitsvorsorge für alle als Priorität, dafür weniger Abhängigkeiten von Weltmärkten, gerade wenn es um lebensrettende Produkte geht. Nutzen wir die Katastrophe für einen Neustart, und zwar einen solidarischen!

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