Werner Leiss hört sich um

Das Politische ist persönlich

Frauen mit politischem Engagement: Globale Musik mit Wurzeln in der Westsahara von Aziza Brahim, dazu Miriam Makebas Klassiker „Pata Pata“.

Ein junges Mädchen in Ballettschuhen und einem weißen Tutu ziert das Cover des neuen Albums „Sahari“ von Aziza Brahim. Es wäre ein ganz normales Kinderfoto, wenn sie nicht vor den Zelten und Gebäuden eines Flüchtlingslagers mitten in der Wüste posieren würde. Dass sie dennoch Optimismus für eine bessere Zukunft ausstrahlt, das ist ein bisschen die Geschichte von Aziza
Brahim. Sie selbst wuchs wie Tausende andere aus ihrer Heimat in der Westsahara vertriebene Sahrawis in einem solchen Camp in der algerischen Wüste auf. Das Flüchtlingslager hat sie stark geprägt. Das Politische ist für Brahim persönlich.

Sie lebt im Exil in Spanien und die Musik für ihr Album „Sahari“ ist auch dort entstanden. Hier bot sich die Zusammenarbeit mit der spanischen Musikerin Amparo Sánchez (Amparanoia, Calexico) an.

Zwar haben die Songs ihre Wurzeln in der sahrawischen Heimat, der Blick ist jedoch globaler geworden. Damit ergab sich ein breiterer musikalischer Ansatz, in dem  Keyboards und Programming einen wichtigen Anteil am neuen Sound haben sollten. Brahim wollte einen Dialog zwischen traditioneller und elektronischer Percussion, die mit dem Programming interagiert. Um mit unterschiedlichen Sounds zu experimentieren, wurden zwei verschiedene Tabal-Trommeln auf-
genommen, seit Jahrhunderten das wichtigste Instrument der Sahrawi-Musik.

Ein gelungener Versuch, die Balance zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, zwischen afrikanischer und europäischer Musik zu finden – und dabei keinesfalls beliebig zu klingen.

Welthit-Revival. In einer Neuausgabe ist nun „Pata Pata“, der World-All-Time-Klassiker schlechthin von Miriam Makeba, erhältlich. Der Titelsong war der erste Welthit des afrikanischen Pop. Das Album wurde 1966 für das Label Reprise aufgenommen. Makeba schrieb den Song schon in den 1950er Jahren und bereits 1956 war er in Südafrika ein Hit.

Damals war Makeba Teil der Frauengesangsband The Skylarks. Die neue Aufnahme, produziert von Jerry Ragovoy, brachte ein leichteres Uptempo-RnB-Arrangement mit und fügte einige englische Texte hinzu.

Das Album enthält des Weiteren eine Version des traditionellen Xhosa-Klassikers „Click Song Number One (Qongqothwane)“, das atmosphärisch dichte „Westwind“ (später noch bekannter geworden durch die Version ihrer Freundin Nina Simone) und ein Cover von Tilahun Gessesses „Yetentu Tizaleny“. Gesesse lernte Makeba auf einer Reise nach Addis kennen, um für Haile Selassie bei der Organisation of African Unity aufzutreten.

Remastered wurde von den Original Tapes. Erstmals ist das Album sowohl Mono als auch Stereo und wahlweise als CD und Doppel-LP erhältlich.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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