Das Spendengütesiegel ist da!

In einem Festakt wurden Mitte November die ersten Spendengütesiegel an 44 Hilfsorganisationen verliehen.

Von Werner Hörtner
Lange Zeit gefordert, zweieinhalb Jahre lang diskutiert: Am 14. November war es so weit. Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder (KWT) vergab in einem Festakt in Wien das begehrte Spendengütesiegl an 44 österreichische Hilfsorganisationen. „Die Organisationen, die heute mit dem Spendengütesiegel ausgezeichnet wurden, erfüllen die objektiven und nachprüfbaren Standards bei der Aufbringung wie auch der Verwaltung aller Spenden“, freute sich KWT-Präsident Klaus Hübner bei der Verleihung.
Erfreute Gesichter bei den zahlreich erschienenen VertreterInnen der ausgezeichneten Organisationen, ist das Spendenwesen doch zu einem lukrativen und heiß umkämpften Markt sozialer, caritativer, ökologischer und menschenrechtlicher Nächsten- und Katastrophenhilfe geworden.

Jährlich werden österreichweit rund 6,8 Milliarden Schilling Privatspenden geleistet, wovon etwa 890 Mio. auf die in dieser ersten Runde ausgezeichneten Organisationen entfallen: die Aids Hilfe Wien, Ärzte ohne Grenzen und Amnesty International, Greenpeace und Menschen für Menschen - für die Karl-Heinz Böhm persönlich die Auszeichnung entgegennahm - Vier Pfoten, World Vision und viele andere. Mit der Verleihung des Spendengütesiegels wird nicht nur eine „weiße Weste“ bescheinigt, sondern man erhofft sich dadurch auch eine Zunahme beim Spendenaufkommen. Ein Höchstprozentsatz für Verwaltungsausgaben ist bei den Vergabekriterien nicht vorgesehen - es wäre zu schwierig, dafür einheitliche Berechnungsgrundlagen zu schaffen, so ein Vertreter einer der anwesenden Organisationen. Auch die Qualität des Einsatzes selbst wird nicht berücksichtigt: die „Güte“ bezieht sich allein auf die Standards der Aufbringung und ordnungsgemäßen Verwaltung. „Wir stehen erst am Anfang, das System muss noch vervollkommnet werden“, vertröstete SOS Kinderdorf-Geschäftsführer Wilfried Vyslozil.
Die großen Marktführer wie Caritas und Rotes Kreuz hatten keinen Antrag auf Prüfung gestellt - für sie sind ihre Namen selbst schon Qualitätszeichen genug. Auffallend auch die Abwesenheit vieler katholischer Hilfsorganisationen: sie hatten offenbar zu lange gezögert, auf den Gütesiegel-Zug aufzuspringen, bedingt wohl auch durch die unentschlossene Haltung der Bischofskonferenz in dieser Angelegenheit.
Das nächste große Ziel der Hilfsorganisationen ist nun die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden. Das Finanzministerium zeige sich gesprächsbereit, hieß es; nach ersten Berechnungen würde dies dem Staat Steuerausfälle von 500 Mio. und den Organisationen Mehreinnahmen von 2,5 Mrd. Schilling bringen.

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