Das Wasser-Syndikat

Jens Loewe

Von Werner Hörtner
Verlag Pforte, Dornach 2007, 230 Seiten, € 14,-

„Über die Verknappung und Kommerzialisierung einer lebensnotwendigen Ressource“ heißt es im Untertitel zu dem eben erschienen Band – eines der vielen Bücher zum Thema, die seit dem Internationalen Jahr des Wassers 2003 erschienen sind. Wieso wieder eine Publikation zum Wassergeschäft? Vom Thema her ist der Autor jedenfalls prädestiniert, beschäftigt er sich doch seit vielen Jahren mit Globalisierungsfragen, Ausverkauf des öffentlichen Eigentums und Globalisierungsfragen.
Im Vorwort schreibt Jens Loewe, dass es sich bei diesem Buch um eine Niederschrift seiner persönlichen Betroffenheit handle. Dementsprechend interessant und lehrreich sind auch jene Teile, in denen der Autor aus eigenen Erfahrungen schöpft: die Privatisierung der Gas-, Strom- und Wasserversorgung in Stuttgart, der Aufstieg des deutschen Energiekonzerns RWE zu einem der weltgrößten Wasserversorger und dann Ende 2005 der teilweise Ausstieg aus dem Geschäft, die abenteuerlichen Cross-Border-Leasing-Verträge.
Ausführlich analysiert wird auch die Rolle internationaler Handelsabkommen und Institutionen bei der „Liberalisierung“ des Wassermarktes. In einem eigenen Kapitel widerlegt der Autor die gängigsten Argumente der Privatisierungsanhänger und zeigt auf, wie sich der Einzelne bei uns – am besten in der Form von Bürgerinitiativen – gegen die Kommerzialisierung der Wasserversorgung wehren kann. Solche Tipps werden leider auch für uns in Österreich immer wichtiger. Obwohl sich die Bevölkerung mit einer großen Mehrheit für eine Beibehaltung der kommunalen Wasserversorgung ausspricht, lauern die Privatisierer in den Landtagen und Unternehmen. Der französische Wasserriese Veolia hat sich bei den Klagenfurter Stadtwerken eine Mehrheitsbeteiligung erkauft, und Oberösterreich will 40 Prozent seiner Energie-AG veräußern.
Literaturhinweise und nützliche Webadressen erhöhen den praktischen Wert dieses Handbuches zu einer der brennendsten Zukunftsfragen unseres Planeten. Auch wenn die Tatsache Genugtuung bereitet, dass in der so genannten Dritten Welt viele Wasserkonzerne mit ihren Machenschaften Schiffbruch erlitten haben, so wird der Privatisierungsdruck nicht nachlassen und in Europa sogar noch steigen: privatisierte Monopole versprechen enorme Renditen.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen