Dazwischen ein Obststand

Von Luna Al-Mousli ·

Ein beißender Geruch in der Nase und bunte riesige Müllsäcke – willkommen in Kairos Müll-City!

In keiner Stadt fand ich das Taxifahren so anstrengend und so energieraubend wie in Kairo. Durch jede Fahrt entdeckte ich neue Gassen, Straßen oder Orte, was eigentlich spannend klingt, aber auf die Nerven ging, wenn die Fahrer sich verfahren hatten. Oder versuchten, dem Stau zu entkommen und erst recht in einem größeren Stau landeten.

Einmal verpasste der Taxifahrer die Ausfahrt bei der Autobahn, er hielt das Auto an und fuhr mit Hupe und Lichthupe rückwärts, bis er abbiegen konnte. Ich dachte, mein Herz bleibt stehen.

Ein andermal fuhr mich der Taxifahrer durch einen Ort, der von Müll bedeckt war. Ein Gestank umhüllte mich, ich rollte schnell die Fensterscheibe hoch. Der Geruch schien den Menschen auf der Straße nichts auszumachen. Ihr Lächeln war ansteckend, während die Kinder hintereinander herliefen, mit Schuhen, die ihnen entweder zu groß oder zu klein waren. Der Boden gab nach jedem Schritt nach und Staub stieg auf. Willkommen in der Müll-City!

Der Mist war in großen bunten Säcken gepackt, manche offen, manche zu. Die Säcke standen in den Gassen, am Straßenrand, auf den Dächern, sogar auf den Balkonen der unfertigen Häuser. Als ich genauer schaute, merkte ich, dass der Müll sogar für den Bau von Häusern verwendet wurde.

In den engen Gassen kamen uns Trucks, Esel und Motorräder entgegen, die ebenfalls mit Müllsäcken bepackt waren. Ein Esel tat mir leid, denn er schien genau so erschöpft zu sein wie der alte Mann im weißen Hemd, der hinter ihm herlief.

Und plötzlich tauchten dazwischen ein kleiner Supermarkt, ein Obst- und Gemüsestand und eine Fleischerei auf.

Gerade waren Männer am Ankommen, nachdem sie den Müll in Kairo aufgesammelt hatten. Die Aufgabe der Frauen und Kinder besteht darin, den Müll zu trennen und nach Dingen, die noch gebraucht werden können, zu suchen, oder nach Recycling-Material, mit denen sie handeln können.

Es ist eine Stadt in der Großstadt, die verdrängt wird, aber trotzdem überlebt.

Luna Al-Mousli, geboren 1990 in Melk, aufgewachsen in Damaskus, lebt und arbeitet als Autorin und Grafik-Designerin in Wien.

Abwechselnd mit Nadia Baha macht sich Luna Al-Mousli in jeder zweiten Ausgabe des Südwind-Magazins „Gedanken von Welt“.

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