Dem Bösen eines auf die Rübe!

Wie wahrscheinlich viele Menschen, bin auch ich innerlich gespalten: Einerseits sehr skeptisch, ob die Welt, in der wir leben, ein halbwegs friedlicher Platz werden kann. Andererseits zutiefst hoffend, dass das vereinigte Gute irgendwie einen Trick findet, dem Bösen eines auf die Rübe zu geben, dass es sich davon nicht mehr so schnell erholt. Oder so ähnlich. Gewaltfreier müsste das natürlich über die Bühne gehen.

Wahrscheinlich müsste sich das Gute so sympathisch hinstellen, dass das Böse gar nicht anders kann, als das Gute lieb zu haben. Und da das Gute bekanntlich weiblich ist, könnte ja durchaus auch ein wenig Verführungskunst ins Spiel kommen. Vielleicht verändert sich dann etwas – ganz auszuschließen ist es nicht. Alles in Bewegung.

Bis vor kurzem war uns doch allen klar: Das Böse ist weiß, männlich und trägt den Namen FC Bayern München. Seit allerdings dort auch der dunkelhäutige (wie sagt man das jetzt richtig?) Österreicher mit schwarzafrikanischem Vater mitspielt, ist wohl allen klar: Ja, das Böse kann sich wandeln. Unglaublich, wie sich seit der Erfolgswelle von David Alaba die ethischen Grundfeste einer ganzen Generation verändern: Wenn jetzt nicht dem letzten Stammtischbruder klar ist „mehr Afrika braucht das Land“, dann weiß ich auch nicht. Da freut sich der Optimist in mir!

Allerdings landen auf meinem Tisch auch Einladungen zu Arroganztrainings und ein Prospekt mit einem Workshop „Zynismus für angehende Leitartikler“. Ich soll da hingehen, sagt die Frau Chefredakteurin. „Berichte uns davon! Das wäre was Böses für deine Kolumne.“ Sicher nicht, sage ich. Da gehe ich lieber zur Mutmacherei (www.mutmacherei.net). Da werden positive Projekte vorgestellt, die uns dazu verführen, alternative Wege zu beschreiten. Oder zur „Wirtschaft der Freude“ (www.wirtschaft-der-freude.org). Das klingt noch wahnsinniger, ist aber der ernsthafte Versuch, Alternativen ins morbide Wirtschaftssystem zu bringen, zu denken und zu leben. Und ich weise an dieser Stelle auch auf ein Produkt aus dem Hause Südwind hin: Die neue Ausgabe „WeltverbesserIn“ ist so flott und sympathisch geraten, dass es eine wahre Freude ist. Und wenn das Böse demnächst wieder einmal in meine Gasse kommt, dann knall ich ihm die WeltverbesserIn um die Ohren, dass es laut aufjaulen wird. Versprochen!

Georg Bauernfeind ist Kabarettist und Publizist in Wien. Programm und Termine auf www.georg-bauernfeind.at

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