„Der Film ist ein Statement“

„Everyday Rebellion“, die alltägliche Revolte, heißt das Cross-Media-Projekt der Brüder Arash und Arman Riahi. Der gleichnamige Film soll im Herbst in die Kinos kommen. Nora Holzmann hat mit den beiden österreichischen Regisseuren gesprochen.

Arash (links) und Arman Riahi (rechts), gemeinsam mit Andy Bichlbaum (Mitte) von der Aktivismus- Gruppe YES MAN.

Südwind-Magazin: In „Everyday Rebellion“ wird Widerstand aus verschiedenen Teilen der Welt porträtiert. Was verbindet die Bewegungen, um die es in Ihrem Film geht?
Arman Riahi:
Der gewaltlose Protest ist der gemeinsame Nenner der Bewegungen, die in unserem Film vorkommen. Wogegen sie ankämpfen, ist unterschiedlich. Im Iran etwa ist es die Unterdrückung durch das Regime, in New York ist es das kapitalistische System.

Wie ist Ihnen die Idee gekommen, sich dem Thema des gewaltlosen Widerstands zu widmen?
Arash Riahi:
Es hat mit der grünen Revolte im Iran 2009 begonnen. Das war eine völlig neue Art des Aufstands, eine horizontale Rebellion. Das Projekt war eigentlich zuerst als ein Projekt über die Bewegung im Iran gedacht. Während wir weiter recherchiert haben, ist der Arabische Frühling passiert. Unser Konzept hat sich immer mehr erweitert. Wir haben gemerkt, es ist eine globale Bewegung – Occupy Wallstreet, die spanische 15-M-Bewegung und so weiter. Es war spürbar, da ist auf der ganzen Welt eine Generation von unzufriedenen Menschen, die mit den Systemen, wie auch immer sie geartet sind, nicht zufrieden sind. Oft geht es dabei um Kritik an kapitalistischen Vorgangsweisen.

Welche Formen des Protests haben Sie bei den Dreharbeiten am meisten beeindruckt?
Arash Riahi:
Am meisten beeindruckt hat mich, wie Menschen es schaffen, mit den minimalsten Mitteln auf kreative Weise den Systemen eins auszuwischen. Etwa das Beispiel aus Syrien, wo man orange Pingpong-Bälle mit Protestsprüchen bemalt hat und in der Stadt die Hügel hinunterrollen hat lassen.
Arman Riahi: Die rollten dann auf einige belebte Einkaufstraßen zu. Es tut niemandem weh, es ist bunt und lebendig. Das ist oft der Fall bei dieser kreativen Art von Widerstand – es ist alles sehr lebensfroh und humorvoll. Es gibt auch schon bereits erprobte Protestmethoden, wie zum Beispiel übertriebene Loyalität mit der unterdrückenden Kraft.
Arash Riahi: Etwa in Polen: Die Leute haben für mehr Rechte für die Geheimpolizei demonstriert. Dafür, dass für sie eine 35-Stunden-Woche eingeführt wird, was bedeutet, dass die Geheimpolizei weniger arbeitet, was wiederum für die AktivstInnen besser wäre.

Ist es immer einfach, die Grenze zu ziehen zwischen gewaltlosem Widerstand und Widerstand, der dann doch Gewalt anwendet?
Arman Riahi:
Es ist eigentlich eine bewusste Entscheidung, die jeder Einzelne für sich fällt und die auch oft im Konsens mit dem Kollektiv getroffen wird. Natürlich ist Widerstand vielfältig. Wenn bei einer Demo oder einem Marsch 100.000 Leute auf der Straße sind, dann haben vielleicht alle das gleiche Ziel, aber wählen nicht den gleichen Weg, dieses Ziel zu erreichen. Prinzipiell geht es bei unserem Film aber um friedliche Protestbewegungen.

Sehen Sie hier in Österreich auch Widerstandsbewegungen, die Potenzial haben?
Arash Riahi:
Was sich hier tut, ist leider relativ mickrig. Aber das heißt nicht, dass es keine widerständigen Menschen hier gibt. Es gibt sie, aber es ist schon merkbar, dass dort, wo es den Menschen wirklich spürbar schlecht geht, sie auch mobilisiert sind. Und dafür geht es den Leuten in Österreich einfach zu gut.

Ist Ihr Film selbst Teil dieser „alltäglichen Revolte“ oder dokumentiert er nur, was passiert?
Arman Riahi:
Der Film ist schon ein Statement. Man hält sich heute ohnehin viel zu sehr raus. Bei bestimmten Dingen, finden wir, muss man einfach Stellung beziehen. Für Freiheit, Menschenrechte, Demokratie.
Arash Riahi: Wir wollten einen Film machen, der eine Generation widerspiegelt und der auch Sprache und Ästhetik dieser Generation verwendet. Einen Film, der die Leute motivieren soll, dass sie aufstehen und nicht nur auf Facebook „like“ klicken.

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