Der Granatapfelbaum, der Kirschen trägt

Von Christine Kohlmayr ·

Li Er

Roman. Aus dem Chinesischem von Thekla Chabbi.
Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2007, 378 Seiten, € 15,50

Li Er ist ein junger chinesischer Autor. 2004 erhielt er den „Großen Medienpreis für chinesischsprachige Literatur“ in der Kategorie Belletristik.
Er entführt uns hier in eine Welt, die nur wenig bekannt ist. Äußerst beeindruckend erzählt er von einem kleinen Dorf namens Guanzhuang , welches einerseits im Gestern versunken zu sein scheint und andererseits am Heute teilnimmt.
Die junge Kong Fanhua ist Dorfvorsteherin. Es sind noch ein paar Wochen bis zu den Neuwahlen für diese Funktion, und Fanhua möchte unbedingt im Amt bestätigt werden. Um dies auch zu erreichen, muss sie sich vor allem gegen ihre männlichen Kollegen behaupten.
Im Zentrum der Geschichte steht aber die Frage nach der Geburtenkontrolle. In China sind maximal zwei Kinder pro Familie erlaubt (für nationale Minderheiten, sonst nur ein Kind). Eine Frau des Dorfes ist jedoch zum dritten Mal schwanger. Sie hofft nach zwei Mädchen auf einen Jungen und weigert sich, das Kind abzutreiben. In ihrer Verzweiflung versteckt sie sich, und Fanhua setzt alles daran, sie zu finden. Am Erfolg der Einhaltung der Geburtenrate im Dorf wird die Fähigkeit des Dorfvorstehers gemessen.
Indem der Autor die Geburtenregelung als eine Norm darstellt, an die alle glauben, zeigt er sie zugleich auf und hinterfragt sie. Spannend ist auch die Darstellung der Protagonistin Fanhua, welche sich als Frau in einer Männerwelt durchsetzt.
Anstrengend, weil fremd, sind die vielen chinesischen Namen und Orte, die eine Verwechslung leicht zulassen und Konzentration beim Lesen erfordern. Doch eine Übersetzung der Namen aus dem Chinesischen ins Deutsche würde oft lächerlich wirken.

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