Der Mythos vom Krieg der Zivilisationen

Der Westen gegen den Rest der Welt. Eine Replik auf Samuel P. Huntingtons Kampf der Kulturen.

Von Manuela Tesak
Seit dem von US-amerikanischer Seite ausgerufenen „war against terror“ und der willigen Unterstützung des gesamten „Westens“ ist auch die ideologische Fundierung dieses Kriegs wichtig geworden. Bücher wie Huntingtons Kampf der Kulturen und Tibis Krieg der Zivilisationen haben über Monate ihren festen Platz in den Bestsellerlisten eingenommen. Gazi Çag¡lar führt in diesem Buch die Ideen der beiden Autoren auf ihre historischen und ideengeschichtlichen Ursprünge und tatsächlichen Aufgaben zurück.
Nichts für den geruhsamen Nachmittag, aber ein Gewinn für jeden, der hinter die Konstruktionsmechanismen wissenschaftlicher Eliten blicken möchte. Çag¡lar führt Huntingtons und Tibis Bücher auf alte zyklische geschichtsphilosophische Ansätze aus dem rechten Spektrum zurück. Er zeigt, wie nach dem proklamierten Ende der Geschichte und der großen Theorien mit gesellschaftsveränderndem Anspruch alte Großtheorien in neuer Schale wieder auferstehen, die durch bewusste Konstruktion des Zivilisationsparadigmas und Schaffung von Feindbildern allein der Stärkung westlicher Systemerhaltungsmechanismen dienen.
Eine wertvolle Lektüre für alle, die Freude an wissenschaftlichen Diskursen haben. Eine gelungene Dekonstruktion neuer und alter Herrschaftsideologie, die allein zur Stärkung des Konstrukts des Westens dient.

Verlag Unrast, München 2002, 185 Seiten,
€ 14,40.

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