Der Weg der Inka

Von Werner Hörtner ·

Peter Gebhard

Durch die Anden zum Amazonas. Bildband mit CD. Verlag Frederking & Thaler, München 2001. 192 Seiten, 130 Farbfotos, öS 715,-.

Am eindrucksvollsten erlebe ich die Wallfahrt ins Hochtal von Sinakara, östlich der alten Inka-Hauptstadt Cuzco. Mit Tausenden von Pilgern ziehe ich zu jener kargen Kirche, an deren Stelle einst Christus einem Indio-Jungen erschienen sein soll, steige hinauf auf 5.500 Meter Höhe ins ewige Eis, zittere in den drei bitterkalten Festnächten bei Temperaturen unter 20 Grad minus, verliere mich im Wirbel der unzähligen Musikgruppen und tanzenden Menschen mit ihren farbenfrohen Gewändern: Fast 30.000 Pilgerinnen und Pilger sind hier kurz vor Fronleichnam zum Fest des Qoyllur Riti zusammengekommen.

Immer wieder empfinde ich mich beim Lesen der Texte, beim Betrachten der Bilder wie in einem Film, ziehe mit durch die nordchilenische Wüste Atacama, dringe ein in die Stollen des einstigen Silberberges von Potosí, um dort Tio, den gehörnten, grünäugigen Herrscher der Unterwelt, zu treffen, wandere über die kahlen Ebenen des zentralandinen Altiplano bis hinunter in die Dschungelregionen im Quellgebiet des Amazonas.

Peter Gebhard besitzt die Gabe, nicht nur ausgezeichnet fotografieren, sondern auch spannend und lebendig erzählen zu können. So wird die Reise mit ihm durch das einstige Riesenreich der Inkas, deren Stationen er in eindrucksvollen, großformatigen Farbbildern festhält, nicht nur ein optischer Genuss: Er schildert die einzelnen Etappen seiner einjährigen Wanderung durch das Herzland Südamerikas auch sprachlich in einer Anschaulichkeit, die der Kraft der Fotos um nichts nachsteht.

Die in die Reiseberichte eingestreuten indianischen Legenden und historischen Rückblicke spannen einen Bogen zu jener Zeit, als der Schöpfergott Viracocha aus dem Titicaca-See aufstieg und aus dem Uferschlamm die ersten Menschen formte, die Ahnen der königlichen Dynastie der Inkas. Wie sehr diese vor 500 Jahren von den Spaniern zerstörte Kultur auch heute noch in den andinen Festen und Traditionen weiterlebt, ist eine der Erfahrungen, die dieses Buch bietet. Ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, zum Versinken in eine andere Welt, zum Zeitreisen.

Die CD zum Buch gibt die Lieder und Gesänge wieder, die Gebhard bei den Festen und Zeremonien aufnahm. Als Reisebegleitung.

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