Der Widerstand geht weiter

Von Redaktion · ·
Berlin: Solidaritätsdemo mit Protestierenden im Iran
Am 22. Oktober gingen rund 80.000 Menschen in Berlin auf die Straße, um sich solidarisch mit den Protestierenden im Iran zu zeigen © Amir Sarabadani/ CC BY-SA 4.0

Am 16. September jährt sich die Ermordung von Mahsa Amini im Iran, die die Initialzündung der historischen Protestwelle darstellte.

Im November hat uns ein Österreicher, der Sohn eines iranischen Vaters ist, erzählt, welche Auswirkungen die Proteste auf sein Selbstverständnis hatten. Heute erzählt er, welche Veränderungen er in den vergangenen Monaten beobachtet hat.

Ich verfolge die Lage im Iran nach wie vor, vor allem per X, vormals Twitter. Vor einem Jahr kamen täglich neue Videos von den Protesten auf der Straße auch über andere Social Media zu uns, und auch die klassischen Medien berichteten von den Zusammenstößen. Irgendwann sind aber die Straßenproteste abgeebbt und damit auch bei uns ein großer Teil der Medienberichterstattung.

Was mich in den ersten Monaten an den Berichten besonders empört hat war, wie unkritisch die Aussagen des Regimes gebracht wurden, auch wenn es eigentlich ein Leichtes gewesen wäre, sie als Lügen zu entlarven.

Und auch auf politischer Ebene wird mit der Islamischen Republik auf eine Art und Weise umgegangen, die mich zutiefst frustriert! Besonders Europa! Es gibt kaum Regierungen, die dem Iran die Stirn bieten und harte Sanktionen umsetzen, weil viele Doppelstaatsbüger:innen – die iranische bekommt man von den Eltern vererbt und sie ist nicht ablegbar – vom Regime in einer Art Geiselpolitik, als Faustpfand, gefangen gehalten werden. Die USA haben die Revolutionsgarden zwar auf die Terrorliste gesetzt – und das zieht schon eine Reihe härterer Sanktionen mit sich – aber das reicht nicht aus, um das Regime zu schwächen. Im Gegenteil: Es kann offenbar auf die Unterstützung von Russland zählen und hat vor Kurzem das Talibanregime in Afghanistan anerkannt.

Trotz alledem und für uns von außen weniger sichtbar: Die brutalen Repressionen gegen die Menschen gehen weiter. Aber ihr Widerstand auch!

Die Protestierenden werden vielleicht nicht mehr auf der Straße erschossen, aber nach wie vor von der Sittenpolizei registriert. Und sie verhängt hohe Geldstrafen für jegliche Regelbrüche – weil sie z. B. kein Kopftuch tragen.  

Die Menschen wiederum filmen die Gesichter der Sittenwächter, wenn sie von ihnen angehalten werden. Warum? In der Gewissheit, dass sich die Revolution eines Tages durchsetzt und dann das Regime und seine Anhängerschaft zur Rechenschaft gezogen werden! So stark ist der Glaube daran, dass das Regime eines Tages zusammenbricht!

Bis dahin halten die Menschen die Erinnerung an die bisher im Widerstand Ermordeten wach – sie posten ihre Bilder in Sozialen Medien und halten Trauerfeiern an Todestagen ab.

Die Revolutionsgarden reagieren auch darauf mit grausamen Repressionen: Sie schänden die Gräber und ermorden Angehörige. Was zum Jahrestag des Todes von Mahsa Amini im Iran passiert, wird sich am 16. September zeigen …

Basic

Berichte aus aller Welt: Lesen Sie das Südwind-Magazin in Print und Online!

  • 6 Ausgaben pro Jahr als Print-Ausgabe und/oder E-Paper
  • 48 Seiten mit 12-seitigem Themenschwerpunkt pro Ausgabe
  • 12 x "Extrablatt" direkt in Ihr E-Mail-Postfach
  • voller Online-Zugang inkl. Archiv
ab € 25 /Jahr
Abo Abschließen
Förder

Mit einem Förder-Abo finanzieren Sie den ermäßigten Abo-Tarif und ermöglichen so den Zugang zum Südwind-Magazin für mehr Menschen.

Jedes Förder-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo.

84 /Jahr
Abo Abschließen
Soli

Mit einem Solidaritäts-Abo unterstützen Sie unabhängigen Qualitätsjournalismus!

Jedes Soli-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo.

168 /Jahr
Abo Abschließen