Die ersten Mönchinnen

Von Die ersten Mönchinnen ·

In Thailand sind Nonnen seit mehr als 300 Jahren ein wichtiger Teil der buddhistischen Religionsgemeinschaft. Dennoch genießen sie nicht die gleichen religiösen Rechte wie die Mönche. Allmählich regt sich Widerstand.

Für den Staat sind die Nonnen und die rund 300.000 Mönche Mitglieder der Geistlichkeit und somit nicht wahlberechtigt. Der Rat des geweihten buddhistischen Klerus (Sangha) betrachtet die auf 14.700 geschätzten Mae Chi, wie sich die Jüngerinnen Buddhas nennen, nicht als gleichwertige Mitglieder. So ist es ihnen nicht erlaubt, die Lehren von Buddha (Dhamma bzw. Dharma) zu interpretieren, sie zu unterrichten oder religiöse Rituale durchzuführen.
Sangha akzeptiert die Nonnen lediglich als Schülerinnen des Glaubens. Konkret bedeutet dies, dass sie innerhalb der Kirchenhierarchie Thailands, wo 95 Prozent der Bevölkerung Buddhisten sind, eine untergeordnete Stellung einnehmen.
„Wir sehen uns selbst als Mitglieder des Klerus, die Dhamma lernen und praktizieren, meditieren und der Gesellschaft geistige Hilfe zuteil kommen lassen“, sagt Mae Chi Pratin Kuan-Orn, Vorsitzende des Instituts für Thailändische Nonnen, das seit 1969 auf Gemeindeebene tätig ist. „Aufgrund unseres unklaren Status und der Tatsache, dass wir offiziell nicht anerkannt sind, haben Nonnen weder rechtlichen Anspruch auf Unterhalt von Seiten der Nachfolger Buddhas noch auf staatliche Hilfe, um Studien und Gemeindeprojekte durchführen zu können.“
Konkret bedeutet dies, dass die Frauen vom Wohlwollen der Mönche abhängig sind und deren Unterstützung bei Projekten brauchen, so Pratin. Die Nonne trägt wie alle ihre Glaubensschwestern eine weiße Robe, Kopf und Augenbrauen sind rasiert.

Frauen werden in Thailand nicht zu Novizinnen geweiht. Wenn sie Buddha folgen wollen, bleibt ihnen keine andere Wahl, als lebenslang Nonne zu werden. Männer hingegen haben die Option, sich für eine kurze Zeit zu Novizen ordinieren zu lassen.
Doch inzwischen suchen die Nonnen nach Mitteln und Wegen, um ihren Status zu verbessern. Sie sehen sich in anderen buddhistischen Ländern wie Sri Lanka um, wo in Übereinstimmung mit der buddhistischen Theravada-Tradition Frauen durchaus die Priesterweihe empfangen dürfen.

Chadsumarn Kabilsingh, eine buddhistische Professorin, hatte sich im Februar letzten Jahres im Nachbarland zur Novizin weihen lassen. Sie ist die erste Mönchin (Bhikkuni) Thailands in der Theravada-Tradition. Sie nennt sich Dhammananda und kleidet sich in safranfarbene Gewänder. Der männerdominierte buddhistische Klerus reagierte mit Entrüstung. Sie warfen Chadsumarn vor, die buddhistischen Traditionen Thailands zu unterwandern.
Tatsächlich gilt der thailändische Buddhismus als konservativ. Er erkenne Nonnen an, erlaube aber nur Männern, Novizen zu werden, gab die frisch gekürte Bhikkuni damals in einem Fernsehinterview an.
Von ordinierten Mönchen wird erwartet, dass sie fünf religiösen Grundsätzen und 227 weiteren buddhistischen Regeln folgen. Nonnen brauchen sich lediglich an zehn Grundsätze und 80 Regeln zu halten. Dass von Mönchen ein höherer ethischer Standard erwartet wird, ist für viele Nonnen ein weiterer Hinweis darauf, dass sie einen niedrigeren Stellenwert als die Mönche haben: Sie kochen und putzen für die Mönche. Sie essen nicht an ihrer Tafel.

1991 hatte das Institut für Thailändische Nonnen zusammen mit Frauengruppen versucht, ein Nonnengesetz durchs Parlament zu bringen, das Nonnen einige wenige Basisrechte verschaffen sollte. Doch das Religionsministerium brachte das Projekt zu Fall.
„Sangha muss besondere Gründe dafür haben, warum er Nonnen und weibliche Mönche im thailändischen Buddhismus nicht anerkennen mag“, sagt dazu die 39-jährige Angestellte Saranya Suthiwan, die sich selbst als gläubige Buddhistin bezeichnet. Sie verweist auf eine Vielzahl von Mönchen, die sich über die ihnen auferlegten Grundsätze wie Zölibat und Leben in Bescheidenheit hinwegsetzen.
„Die religiösen Rechte von Frauen zu verstehen und zu unterstützen ist sehr wichtig für den thailändischen Buddhismus“, sagt Tavivat Puntarigvivat, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Bangkoker Weltbuddhisten-Universität. Er erinnert an das Leben Buddhas, der keinen Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Spiritualität gemacht habe.
Tavivat zufolge wäre durchaus Raum für Frauen in der buddhistischen Hierarchie vorhanden. So könnten sich Nonnen und weibliche Mönche besser mit Themen wie Vergewaltigung, Prostitution und Abtreibung auseinander setzen als Mönche.
„Frauen als Teil der Religion einzubeziehen, wird dem Buddhismus helfen, den Weg zu einem friedvollen Miteinander zu finden.“

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