Die Frauen meines Vaters

José Eduardo Agualusa

Roman. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. A1 Verlag, München 2010, 384 Seiten, € 23,50

Als die in Portugal lebende Dokumentarfilmerin Laurentina herausfindet, dass ihr leiblicher Vater der angolanische Musiker Faustino Manso (genannt Seripipi Viajante, der reisende Vogel) ist, macht sie sich gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Mandume auf eine Spurensuche nach ihm und ihrer leiblichen Mutter Alima auf. In Angola lernt sie beim Begräbnis des erst kürzlich verstorbenen Manso ihre restliche Familie kennen – er hinterlässt sieben Frauen, achtzehn Kinder und eine Unmenge Enkelkinder.

Laurentinas Cousin Bartolomeu initiiert die Idee, über Faustino Mansos musikalisches Schaffen und seine Frauenbekanntschaften einen Dokumentarfilm zu drehen. Der Fahrer Pouca Sorte komplettiert das Quartett, das sich nun auf eine Spurensuche quer durch Angola, Namibia, Südafrika und Mosambik begibt. Parallel zu dieser fiktiven Geschichte schildert José Agualusa seine eigene Reise durch Angola mit der Dokumentarfilmerin Karen Boswell und dem Fotografen Jodi Burch. Seine eigenen Erlebnisse lassen ihn auf einige Orte und Menschen treffen, die wiederum in der Handlung um Laurentina auftauchen. Er schildert jedoch ebenso Episoden aus seiner eigenen Lebensgeschichte sowie aus der Karen Boswells. Fiktion und Wirklichkeit beginnen sich immer mehr zu vermischen. Der große Pluspunkt dieser Technik liegt in der Kombination mehrerer Gattungen (Interviews, Monologe, Tagebuchberichte, Erzählungen aus unterschiedlichen Perspektiven), sodass sich ein breit angelegtes Darstellungsspektrum ergibt. Diese Mischung ist hin und wieder aufgrund der Personenvielfalt etwas verwirrend, was das Vergnügen am spielerischen Können des Autors jedoch nicht mindert. Agualusa führt seine Figuren auf einen fulminanten Roadtrip, der den LeserInnen einen Einblick in die koloniale Vergangenheit sowie in die von unterschiedlichen Identitäten geprägte Gegenwart Angolas und seiner BewohnerInnen bietet.
Ruth Papacek

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