Die Globalisierung der sozialen Bewegungen. Transnationale Zivilgesellschaft und die Suche nach einer gerechten Weltordnung

Mark Herkenrath

Sachbuch. Springer VS Verlag, Wiesbaden 2011, 343 Seiten, EUR 39,95

Mark Herkenrath, Privatdozent für Soziologie an der Uni Zürich, will mit diesem Buch nicht nur die wissenschaftliche Theoriebildung in Bezug auf „transnationale Bewegungskoalitionen“ bereichern, sondern ebenso praktische Tipps für AktivistInnen bieten, die in grenzüberschreitenden Bewegungen arbeiten. Mit diesem Selbstanspruch erscheint er genauso ambitioniert wie die von ihm beschriebenen bzw. befragten AktivistInnen selbst.

In zwölf Kapiteln führt er die LeserInnen an das Thema heran: nach einer theoretischen Einführung folgen allgemeine Gedanken zur Globalisierung. Anschließend analysiert er ausführlich seine auf den Weltsozialforen 2005 und 2007 gemachten Umfragen. Das umfangreichste Kapitel befasst sich mit der „Alianza Social Continental“, einer transnationalen Koalition von FreihandelsgegnerInnen, die Bewegungen aus Latein- und Nordamerika sowie der Karibik umfasst.

Herkenrath – als Anhänger des Neogramscianismus nach Robert W. Cox – lehnt es ab, das Weltsystem allein unter dem Primat der Wirtschaft zu erklären und versucht, die kulturelle, wirtschaftliche und politische Dimension als analytisch gleichwertig zu betrachten. Angesichts einer immer komplexer werdenden bzw. scheinenden Welt verfolgt der Neogramscianismus das nachvollziehbare Ziel, den methodologischen Nationalismus zu überwinden und ebenso transnational wie flexibel zu denken.

Wenn man der Ansicht des Autors auch etwas abgewinnen kann, dass sich Theoriegebäude an bestehende gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Verhältnisse anpassen müssen, so erscheint es doch erstaunlich, wenn er es als Aufgabe sozialer Bewegungen sieht, den Staat im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Verantwortung zu ziehen. Transnationale Organisation zur Wahrung des Sozial- und Versorgerstaates? Mehr nicht?

Wenngleich Herkenraths Arbeit nicht durchgehend überzeugen kann, sind viele der von ihm aufgeworfenen Gedanken spannend genug, um ihnen nachzugehen. Seine ausführliche theoretische Einführung bildet zudem eine wertvolle Basis für das Verständnis aktueller globaler Problemstellungen, womit er sein selbst gesetztes Ziel großteils erreicht hat.
Bettina Akremi

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