Die Integrationslüge

Eva Maria Bachinger / Martin Schenk

Sachbuch. Verlag Deuticke, Wien 2012, 207 Seiten, EUR 17,90

„Antworten in einer hysterisch geführten Auseinandersetzung“, heißt das Buch im Untertitel – doch jene, die die Hysterie schüren, verschließen in einer sachlich geführten Auseinandersetzung beharrlich ihre Sinnesorgane wie die bekannten drei Affen … Dafür ist die Unsachlichkeit ihr Metier, das Vorurteil, das Verfälschen, Verdrehen, Entstellen. Diese Menschen werden wohl nicht zu diesem Buch greifen. Aber vielleicht verstehen sie wenigstens den Titel.

Die Autorin, jahrelang im Anti-Rassismus und Flüchtlingsbereich tätig, heute als freie Journalistin in Wien lebend, und der Autor, Sozialexperte der Evangelischen Diakonie und Mitbegründer des Netzwerkes „Armutskonferenz“, stellen mit Recht bei der Integrationsthematik die soziale Frage in den Mittelpunkt. In allen für die Integration von „Menschen mit migrantischem Hintergrund“ relevanten Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Arbeitsmarkt zeigen sich die sozialen und ökonomischen Verhältnisse als der entscheidende Faktor. Integration ist eine Frage der sozialen Rangordnung, die bewusst verfälscht wird in Richtung physisches Erscheinen, kulturelle Eigenheiten, Religionszugehörigkeit.

Ein weiteres Hindernis für eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist der Kulturalismus-Begriff, der immer noch mit braunen Flecken behaftet ist. Wir „echte Einheimische“ erwerben Rechte durch unsere Herkunft, unsere Religion, unsere Kultur. Die Anderen gehören nicht so richtig dazu. Voraussetzung für eine – zumindest relative – Zugehörigkeit ist die völlige Assimilierung.

Reportagen aus Berlin, Wien und der Schweiz über Menschen, die „nicht so richtig dazugehören“, zeigen, wie das Zusammenleben mit „Anderen“ gut laufen kann, welche Probleme entstehen und wie diese überwunden werden könnten. Wobei dem Bereich Bildung eine hervorragende Bedeutung zukommt. Konzentrierte soziale und bildungspolitische Investitionen sind notwendig – und übrigens auch volkswirtschaftlich sinnvoll.
Werner Hörtner

Lesungen von Bachinger/Schenk:
27.09., 19 Uhr: ÖGB Buchhandlung, 1010 Wien
03.10., 19 Uhr, Bildungszentrum Maximilianhaus, Attnang-Puchheim

Weitere Termine auf www.hanser-literaturverlage.de

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