Die Kluft wird immer größer

Anfang November wurde in New York der 20. Weltentwicklungsbericht der UNO veröffentlicht – mit zwiespältigen Schlussfolgerungen.

Von Werner Hörtner
Die Zahl der in Slums wohnenden Menschen wird in den kommenden Jahren wieder zunehmen, fürchten die Fachleute. Im Bild: Iquitos in Peru.

Die Menschen auf der Welt werden immer reicher, gesünder und älter – mit dramatischen Unterschieden. So schnellte die Lebenserwartung in den arabischen Ländern seit 1970 um 18 Jahre hoch, während sie in sechs afrikanischen Ländern inkl. Südafrika sowie in Russland, Weißrussland und der Ukraine annähernd gleich blieb. Weltweit liegt sie nun bei 70 Jahren.

Eine interessante, wenn auch nicht neue Erkenntnis des Berichts ist, dass eine wachsende Wirtschaft nicht gleich zu Wohlstand in der Bevölkerung führt. „Es gibt keinen Automatismus zwischen ökonomischem Wachstum und gesellschaftlichem Fortschritt“, heißt es in dem 230 Seiten langen Dokument.

Vor allem dank China und Indonesien ist Ostasien die am schnellsten wachsende Region der letzten 40 Jahre. In Afrika hingegen hat sich die Wirtschaft kaum entwickelt. Die Erfolge bei der Gesundheitsversorgung wurden in einigen afrikanischen Ländern durch Aids wieder zerstört.

Die Zahl der in Slums wohnenden Menschen dürfte in den nächsten Jahren infolge der Finanzkrise wieder steigen, fürchten die Fachleute. „Die Folgen der Finanzkrise bedrohen die Erfolge der letzten Jahre“, kommentierte der neue Chef der UN-Organisation für Siedlungsfragen (UN-Habitat), Joan Clos, diese Tendenz. Derzeit leben fast 830 Millionen Menschen unter unwürdigen Bedingungen in Elendsvierteln.

Seit 1990 richten sich die Wertungen und Statistiken in dem vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) herausgegebenen Human Development Report nach dem so genannten Human Development Index (HDI). Neu dabei war, dass nicht mehr nur das Bruttoinlandsprodukt zur Wertung herangezogen wurde, sondern auch Indikatoren wie Einschulungs- und Alphabetisierungsrate, Gesundheitsfürsorge, Ernährung, Lebenserwartung, die Teilhabe am öffentlichen und politischen Leben usw. Ein Kritikpunkt dabei ist, dass unterschiedliche Beurteilungen über die Gewichtung der Aspekte herrschen; ein weiterer, dass Ungleichheiten innerhalb der Staaten nicht wiedergegeben werden, da nur Durchschnittswerte verwendet werden.

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