Die Kulturbotschafterin

Omara Portuondo, Star des Buena Vista Social Club, bereist unermüdlich die ganze Welt. Mitte Mai wird sie im Wiener Konzerthaus auftreten. Bei einem Kurzbesuch in Österreich sprach der SÜDWIND mit der kubanischen Sängerin.

Von WeH
Neun bis zehn Monate im Jahr ist die vor 74 Jahren in Havanna geborene Sängerin auf Tournee. Kubanische Musik muss ein wirkungsvolles Lebenselixier sein, denke ich, als ich der gepflegten Dame in ihrer Suite im Hotel Intercontinental gegenüber sitze. Bis vor kurzem brachte der „Social Club“ noch mehr als drei Jahrhunderte auf die Bühne. Segundo Compay starb letzten Sommer mit 96, der 77-jährige Ibrahim Ferrer tourt wie Omara unermüdlich um die Welt, Rubén González hat sich vor zwei Jahren mit 82 vom Podium verabschiedet.
Eigentlich debütierte Omara Portuondo in einem anderen Fach. Mit 15 Jahren, 1945, sprang sie für eine verhinderte Ballet-Tänzerin auf die Bühne des berühmten Kabarets Tropicana - und so überwand sie ihre Schüchternheit und begann eine Karriere als Tänzerin: „Ich war sehr scheu und schämte mich, meine Beine herzuzeigen.“
An den Wochenenden singt sie Jazz und kubanische Weisen. Anfang der1950er Jahre gründet sie mit drei anderen Musikerinnen ein Quartett. Sie arbeitet auch mit den legendären Größen der traditionellen kubanischen Musik zusammen: Portavales, Bola de Nieve, Benny Moré, Miguel Matamoro. „Das waren außergewöhnliche Musiker. Ich habe 15 Jahre lang in einem Frauenquartett mitgespielt. Dann fragte ich einmal Bola de Nieve, ob ich auch als Solistin auftreten könnte, und er bekräftigte mich in diesem Vorhaben.“ 1959 erschien ihr erstes Solo-Album, „Schwarze Magie“.

Der internationale Durchbruch gelang Omara allerdings erst mit den betagten Jungs des Buena Vista Social Club vor wenigen Jahren. Den beispiellosen Erfolg dieser Gruppe erklärt sie sich mit mehreren Faktoren: „Es hat im Kollektiv eine gute Zusammenarbeit gegeben zwischen den Sängern und den Musikern. Schließlich hat auch diese traditionelle Musik selbst viel Qualität. Wichtig war aber auch die Vermarktung, die Tatsache, dass wir einen Grammy gewonnen haben, der Film, der über uns gedreht wurde - das hat alles zusammengespielt.“
Omara Portuondo fühlt sich als Kulturbotschafterin ihres Landes. „Wir reisen durch die ganze Welt, nur in Afrika und China waren wir noch nie.“ In Japan war sie zum ersten Mal bereits 1969 und war beeindruckt davon, wie viel die Leute bereits von kubanischer Musik wussten.
Soeben hat die Sängerin ein neues Album herausgebracht, „Flor de Amor“, Liebesblume. Darauf verlässt sie das Terrain der rhythmischen, „typisch“ kubanischen Musik, die die Beine vibrieren lässt, und präsentiert mit ihrer kräftigen, reifen Stimme Boleros und langsame, verinnerlichte Lieder, die viel mit tiefer Liebe zu tun haben. Diesmal ist sie nicht mit den alten Kollegen vom Social Club unterwegs, sondern mit anderen kubanischen Spitzenmusikern.


„Flor de Amor“, WCD 068, Vertrieb in Österreich: Lotus Records.
Auftritte in Wien am 15. Mai (s. Termine) und in Graz im Rahmen des Jazz-Sommers Anfang Juli.

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