Die Kunst des politischen Mordes

Francisco Goldman

Sachbuch. Aus dem Englischen von Roberto de Hollanda. Verlag Rowohlt, Reinbek 2012, 506 Seiten, EUR 24,95

In dem 36 Jahre andauernden Bürgerkrieg in Guatamala, der mehr ein Krieg des Staates gegen die eigene Bevölkerung war, kamen über 200.000 Menschen ums Leben. In den 1990er Jahren bemühte sich die katholische Kirche im Rahmen des Projektes „Wiedererlangung der historischen Erinnerung“ um eine Aufarbeitung dieser grausamen Periode. 1998 wurde der Abschlussbericht veröffentlicht, mit den Namen vieler Verantwortlicher an dem Genozid: über 80 Prozent der Täter kamen aus den Reihen des Militärs.

Am 24. April stellte Bischof Juan Gerardi, Leiter des Aufklärungsprojektes, den Bericht vor, am 26. April wurde er in der Garage seines Hauses brutal erschlagen. Francisco Goldman, Sohn einer guatemaltekischen Mutter und eines US-amerikanischen Vaters, bekam von der Zeitschrift „New Yorker“ den Auftrag, über den Mord an Bischof Gerardi zu berichten. Minutiös ermittelt er zu dem Fall, bei dem die Behörden alles Mögliche tun, um falsche Fährten zu legen. Einmal wird die Bluttat als Mord aus Eifersucht präsentiert, dann kam Gerardi einer Diebsbande auf die Spur, schließlich wurde er von einem Hund totgebissen. Goldman begleitet jahrelang die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, interviewt zahlreiche Personen. Sein Bericht über den Mordfall liest sich wie ein Krimi.

Doch trotz zahlreicher Todesdrohungen setzen Personen aus den Justizbehörden die Suche nach der Wahrheit fort. Und sie erreichen einen Teilerfolg. Drei Jahre nach der Ermordung des Bischofs werden drei Armeeoffiziere zu einer hohen Haftstrafe verurteilt. Die Auftraggeber des Mordes bleiben allerdings im Dunkeln. Immer wieder fällt der Name des früheren Geheimdienstchefs Otto Pérez Molina als mutmaßlicher Drahtzieher des Verbrechens. Im November des Vorjahres wurde er zum Präsidenten Guatemalas gewählt.

Goldmans Spurensuche in einem brisanten Mordfall ist nicht nur eine detektivische Meisterleistung – es ist auch ein bewegender Bericht über Menschen, die bereit sind, für die Wahrheit und die Zukunft ihres Landes ihr Leben zu riskieren.
Werner Hörtner

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen