Die Latte hochgelegt

Von den MDGs zu den SDGs: Was auf dem Weg zum Traum von der Bildung für alle erreicht wurde.

Gratisessen (hier in Niger) als Anreiz: Der zunehmende Schulbesuch von Mädchen gilt global als größter Erfolg.© Kelley Lynch / globalpartnership.org

Mehr Menschen als je zuvor haben Zugang zu Bildung. Doch trotz großer Fortschritte konnten die Barrieren für benachteiligte Gruppen – die Ärmsten, Kinder mit Behinderungen, Mädchen und Angehörige kultureller oder sprachlicher Minderheiten – noch nicht beseitigt werden.

Zu den Millennium-Entwicklungszielen (MDGs) für den Zeitraum 2000 bis 2015 gehörten zwei wichtige Bildungsziele – allgemeiner Zugang zu Grundschulbildung und gleiche Einschulungsraten für Mädchen und Jungen („Geschlechterparität“). Nach dem Beschluss der MDGs wurden – nach Jahren geringer Fortschritte – weltweit bedeutende Erfolge in Richtung Bildung für alle erzielt. In den ersten fünf Jahren sank die Zahl der Kinder, die nicht in die Schule gehen, um 30 Millionen. Der größte Fortschritt war die Zunahme beim Schulbesuch: Im Grundschulalter stieg die Einschulungsrate bis 2013 von 83 auf 91 Prozent, was nicht zuletzt der verbreiteten Abschaffung von Schulgebühren und Anreizen wie Zuschüssen für Eltern und Gratis-Schulessen zu verdanken war.

Erfolge. Einige Länder wie Sierra Leone, Äthiopien und Nepal schafften es, die Abschlussquote in der Grundschule um mehr als 20 Prozent zu erhöhen. Lateinamerikanischen Ländern, insbesondere Nicaragua, Bolivien und Brasilien, gelang es, auch den Kindern aus den ärmsten Haushalten den Schulbesuch zu ermöglichen. In Nigeria dagegen schlossen nur 22 Prozent der ärmsten Kinder die Grundschule ab. Insgesamt ist in Subsahara-Afrika der Anteil der Kinder, die nicht zur Schule gehen, am höchsten, mit Armut und einem starken Bevölkerungswachstum als wesentliche Ursachen.

Auch der Sekundarschulbesuch nahm zu. In Senegal erhöhte sich die Übergangsquote von der Grundschule zur Sekundarschule von 1990 bis 2011 von 24 auf fast 90Prozent. Die Zahl der Kinder in Vorschulen erhöhte sich um zwei Drittel, nachdem erkannt wurde, dass benachteiligte Kinder bereits im Alter von sieben Jahren den Rückstand nicht mehr aufholen können. Die Erwachsenen blieben dagegen auf der Strecke – mehr als 730 Millionen können weiterhin weder lesen noch schreiben.

Der zunehmende Schulbesuch der Mädchen wird als größter Erfolg gefeiert – zwei Drittel der Länder des Südens erreichten die Geschlechterparität. Der größte Schritt nach vorne gelang in Süd- und Westasien, wo in den Grundschulen Geschlechterparität und in den Sekundarschulen ein Verhältnis von 93 Mädchen zu 100 Jungen erreicht wurde.

Barriere Armut. Armut erwies sich als hartnäckige Barriere. In Niger hatten rund 70 Prozent der Mädchen aus den ärmsten Haushalten noch nie eine Schule besucht, und während in Pakistan bei Kindern aus wohlhabenden Haushalten kein Geschlechtergefälle festzustellen war, lag die Einschulungsrate bei Mädchen aus armen Haushalten um 20Prozent niedriger als bei den Jungen. Und die Gleichbehandlung der Geschlechter bleibt noch ein Traum: Sexuelle Gewalt und Diskriminierung sind in Schulen nach wie vor verbreitet.

Auch von einer Verbesserung der Bildungsqualität kann kaum die Rede sein – mit der zunehmenden Zahl der SchülerInnen verschlechterte sie sich sogar. „Es gab eine enorme Expansion des Schulbesuchs, aber nicht bei den finanziellen Mitteln“, kritisiert David Archer von ActionAid. „Wenn man nicht mehr Geld für Lehrkräfte und Infrastruktur bereitstellt, wird das nicht viel helfen.“ Die Einschulungsraten verdecken hohe Abbruchquoten und schlechte Ergebnisse – rund 20 Prozent der zehnjährigen Schulkinder können nicht lesen.

Bedeutung der Muttersprache. Der muttersprachliche Unterricht wiederum ist ein Hoffnungsträger. Rund 40 Prozent aller SchülerInnen werden nach wie vor in Sprachen unterrichtet, die sie nicht verstehen. Zweisprachiger Unterricht in hoher Qualität führt nachweislich zu mehr Teilnahme am Unterricht, niedrigeren Abbruchquoten und besseren Leistungen in allen Gegenständen, auch in Fremdsprachen. In Mali erreichten Kinder, die in ihrer Muttersprache unterrichtet wurden, um 32Prozent bessere Bewertungen in Französisch als Kinder in rein französischsprachigen Schulen.

Mit den 2015 beschlossenen Sustainable Development Goals, den Nachfolgern der MDGs, wurde die Latte noch höher gelegt: Bis 2030 sollen zehn ehrgeizige Ziele erreicht werden, die einen großen Schritt in Richtung einer freien, hochwertigen und chancengerechten Bildung für alle repräsentieren würden.

An den Bildungsindikatoren wird sich wahrscheinlich weiterhin die Ungleichheit zwischen Ländern erkennen lassen. Niger und die Zentralafrikanische Republik werden es aus heutiger Sicht erst nach 2100 schaffen, allen Kindern den Besuch einer Grundschule zu ermöglichen.

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Quellen: Global Education Monitoring (GEM) Report 2016; GEM Report Policy Paper 2016.

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