Die Rübenbauern und die Entwicklungspolitik

In seltener Einmütigkeit richten sich ein Agrarproduzentenverband und Entwicklungsorganisationen gegen die EU-Wirtschaftspolitik.

Von WeH
Derzeit werden im Osten und Süden Österreichs in fünf Bundesländern Zuckerrüben angebaut. Knapp 10.000 Rübenproduzenten erzeugen an die 500.000 Tonnen Zucker jährlich. Die EU garantiert einen Preis von 650 Euro pro Tonne (das Dreifache des Weltmarktpreises) und wendet dafür im Jahr 1,7 Milliarden Euro auf.
Vergangenen Sommer hat die EU-Kommission Vorschläge für eine Reform der Zuckermarktordnung vorgelegt; demnach sollen die Preise um ein Drittel und die Produktion um ein Sechstel reduziert werden. Diese Reform, die auf den ersten Blick wie eine entwicklungspolitisch sinnvolle Maßnahme erscheint, hätte jedoch sowohl für die kleinen Rübenproduzenten bei uns als auch für die ärmsten Zuckerproduzentenländer negative Auswirkungen, gab die Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit (AGEZ) Ende Februar auf einer Pressekonferenz in Wien zu bedenken: „Das wäre eine Reform, die in erster Linie den Zuckerbaronen in Brasilien nützt, die in aggressiver Weise Menschen und Umwelt ausbeuten, und das kann wohl kaum als Entwicklungshilfe für die ärmste, ländliche Bevölkerung bezeichnet werden.“ Die AGEZ und „Die Rübenbauern“ - die Vereinigung der Zuckerrüben-Produzenten Österreichs - fordern eine substanzielle Änderung des Reformvorschlages aus Brüssel. „Der Konsument wird von der Reform nichts spüren, die Zuckerpreisreduktion wird zur Gänze in den Bilanzen der Getränke- und Nahrungsmittelhersteller wieder zu finden sein“, meint Hermann Schultes, Präsident der „Rübenbauern“. Damit bezieht er sich auf die voraussehbaren Folgen der geplanten Reform.
Der Zuckerpreis am Weltmarkt würde stark sinken, was die Produzenten sowohl in Österreich als auch in den ärmeren Ländern schädigen würde. Brasilien hingegen mit seinen riesigen Zuckerrohrplantagen - das außerdem eine starke Produktionsausweitung plant - würde den Markt mit billigem Zucker überschwemmen. Profitieren würden neben den Großproduzenten in Brasilien die Rohrzuckerraffinerien in Frankreich und England und andere Zuckerverarbeiter sowie die Getränkeindustrie. Diese sind auch die härtesten Lobbyisten für die Reform der Zuckermarktordnung.

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