Die Sehnsuchtsstadt

Von Redaktion ·

Für Russlands Präsident Vladimir Putin dient die Fußball-WM 2018 dazu, das Land in gutes Licht zu rücken. Abseits der Inszenierung lohnen viele Orte einen näheren Blick, zum Beispiel Kasan.

„Nächste Station Kreml!“ Die Ansage dröhnt auf Russisch, Tatarisch und Englisch durch die Metro. Wo die Volksgruppe der Tataren die Identität eines ganzen Landstrichs bestimmt, gilt dieses Nebeneinander als normal.

Im Stadtzentrum thront der Kreml mit seinen weißen Mauern auf einer Anhöhe und beherbergt die imposante Kul-Scharif-Moschee – Zeichen für das friedvolle Miteinander.© Mandy Ganske-Zapf

Russland ist ein Vielvölkerstaat und Kasan, Hauptstadt der Teilrepublik Tatarstan, ein flirrendes Kulturzentrum. Die 1,2-Millionen-Stadt ist eindrucksvoll. Ein Sehnsuchtsort für all jene aus trostlosen Dörfern, auch wenn der Alltag hier genauso rau sein kann, nur teurer, dafür mit Aussichten auf Arbeit und Abwechslung.

Die Tataren sind ein stolzes Volk, das einen liberalen Islam pflegt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es hier starke Bestrebungen sich unabhängig zu erklären. Anders als Tschetschenien verwandelte sich Tatarstan jedoch nicht in einen Konfliktherd. Stattdessen wirken die Spannungen aus den 1990er Jahren weit weg.

Der Bau der Metro, gläserner Sportstätten und breiter Straßen verschlang seitdem Milliarden Rubel aus dem Staatshaushalt, um die andere Millionenstädte bis weit nach Sibirien vieles gegeben hätten.

Eigentümlichste Sehenswürdigkeit ist der Tempel aller Religionen am äußersten Stadtrand – das Bauwerk ist unvollendet.© Mandy Ganske-Zapf

Text & Fotos: Mandy Ganske-Zapf. www.mgzapf.de

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