Die Stunde der Wahrheit

Das von den argentinischen Militärs vor einem Vierteljahrhundert entführte Enkelkind des Dichters Juan Gelman wurde in Montevideo aufgefunden

Von Werner Hörtner
Im März berichteten wir im SÜDWIND von der verzweifelten Suche des in Mexiko lebenden argentinischen Dichters Juan Gelman (dessen neuestes Buch Karl-Markus Gauß im April vorstellte) nach seinem Enkelkind. Gelmans Sohn Marcelo und dessen Frau Claudia waren 1976 während der Militärdiktatur in Buenos Aires entführt worden.

Es war eine makabre Praxis der Militärs, gefangenen schwangeren Frauen nach der Geburt das Kind wegzunehmen und es an kinderlose und adoptionswillige Angehörige der Sicherheitskräfte in Argentinien und Uruguay weiterzugeben. Die Mütter wurden in den meisten Fällen danach ermordet.

Juan Gelman suchte seit Jahren nach seinem unbekannten Enkelkind, zuletzt unterstützt von einer weltweiten, an den Staatspräsidenten Sanguinetti gerichteten Kampagne. Doch dieser weigerte sich, konkrete Nachforschungen im Bereich der Militärs anzustellen.

Anfang März trat Jorge Battle das Präsidentenamt an. Er hatte schon bald nach seinem Wahlsieg Recherchen begonnen. Am 31. März lud er Juan Gelman zu sich ein - und gab ihm die Auffindung seines Enkelkindes, einer 23-jährigen Studentin, bekannt. Nunmehr ist die Verwicklung der uruguayischen und argentinischen Militärs in die Kindesentführungen offenkundig und amtlich anerkannt. Weitere Untersuchungen sind im Laufen.

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