Die unbekannte Seite

Von Simone Holzer ·

Die traditionelle Kinderdorf-Idee ist weltweit bekannt. Die internationale Dachorganisation der Kinderdörfer verfolgt darüberhinaus auch enrwicklungspolitische Ziele.

SOS-Kinderdörfer bieten nicht nur Familienleben für Waisenkinder. In Krisensituationen soll allen Notleidenden Hilfe geboten werden.

Neben Kinderdörfern und Kindergärten gibt es zahlreiche andere SOS-Einrichtungen: Jugendzentren helfen jungen Menschen beim Sprung in die Selbständigkeit; medizinische Zentren leisten Krankheitsvorsorge und Erste Hilfe; Ausbildungs- und Produktionszentren ermöglichen das Erlernen eines Berufes; Sozialzentren wollen auch Familien aus der Nachbarschaft von SOS-Kinderdorf-Einrichtungen auf lange Sicht aus der Armutsgrenze herausheben und Nothilfeprogramme sollen in Krisensituationen auf der ganzen Welt schnelle Hilfe sichern.

SOS-Kinderdorf-International will bei der Durchführung seiner Nothilfeprogramme nicht länger isoliert von anderen Hilfsorganisationen tätig sein, sondern sucht Kontakt. Daher lud das SOS-Patenbüro in Wien Ende letzten Jahres Organisationen und Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit zu einem Gespräch über eine mögliche künftige Kooperation ein.

Entwicklungszusammenarbeit gehört erst seit kurzer Zeit zum Tätigkeitsfeld von SOS. Die Anfänge der SOS-Nothilfeprogramme gehen ins Jahr 1953 zurück: Damals leistete die Organisation nach dem Koreakrieg Erste Hilfe. Ebenso in Bangladesch nach der Abspaltung vom Pakistan.

1969 engagierte sich SOS-Kinderdorf-International im Vietnamkrieg mit seinen Nothilfeprogrammen für die bedürftige Bevölkerung, vor allem für verlassene Kriegswaisen.

Später entstanden in diesen Ländern SOS-Kinderdörfer und andere SOS-Projekte. Bestehende Einrichtungen sollen nun in Kooperation mit anderen Organisationen genützt werden.

„In Ländern, wo SOS-Kinderdorf eigene Einrichtungen unterhält, ist aufgrund der bereits bestehenden Kontakte und Infrastruktur die Basis zur Durchführung von effizienten Nothilfeprogrammen gegeben. Die Art der Hilfestellung richtet sich dabei nach den Erfordernissen der jeweiligen Situation“, berichtete Regine Toifl-Stulz von SOS-Kinderdorf-International in Wien.

So errichtete SOS 1994 in Ruanda in einem verlassenen Waisenhaus im Nordosten des Landes mehrere Einrichtungen für Kriegsflüchtlinge und verlassene Kinder.

1998 wurde nach der Hurrikankatastrophe in Zentralamerika das Nothilfeprogramm „Mitch“ gestartet. In Nicaragua, Honduras und El Salvador wurde die betroffene Bevölkerung in der Umgebung von SOS-Kinderdörfern mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten erstversorgt. Notpakete wurden verteilt und Kinder in SOS-Kinderdorfeinrichtungen aufgenommen.

In Bolivien läuft seit Mai 1998 ein Hilfsprojekt für die Erdbebenopfer.

Es wurden Aktionen gestartet, um die Abwanderung der BewohnerInnen dieser Region in die Städte zu stoppen.

SOS-Kinderdorf-International initiierte in Bolivien Hilfsaktionen vor allem im Bereich der Nahrungshilfe und im sozialen Bereich. Waisenkindern soll eine Erziehung im Kreise einer Familie ermöglicht werden.

Geholfen wird kurzfristig und auch mit langfristigen Programmen. Diese konzentrieren sich auf fünf Bereiche: Ernährung, Schulwesen, Gesundheit, Integration von Kindern in Familien und Gemeinschaft.

Unterstützt wurden diese Hilfsaktionen für die Erdbebenopfer von Freiwilligen aus ganz Bolivien. Nach dieser gelungenen Kooperation soll Hilfe für die Kinder auch ohne ständige Anwesenheit von SOS-Kinderdorf-International weiter aufrecht erhalten werden.

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