Die universellste Sprache der Welt

Interkulturelle Festivals fördern im Vielvölkerstaat Mosambik die nationale Einheit und auch das Entstehen neuer künstlerischer Ausdrucksformen.

Von Fatima Vieira
Die Sprache der Kultur in allen ihren Ausdrucksformen wie Bildende Kunst, Theater, Musik, Tanz ist die universellste Sprache - das möchte ich als Mosambikanerin, die ich seit Ende der siebziger Jahre im Kulturbereich tätig bin, ohne den geringsten Zweifel behaupten. Kultur entspringt dem persönlichsten und geistigsten Wesen des Menschen und kann dadurch in verschiedensten ethnischen und kulturellen Wirklichkeiten verstanden werden. In ihrer höchsten Verkörperung sollte eine solche Sprache Bannerträger für Gleichheit und Freiheit in einer Welt sein, die immer noch von Einschränkungen und Zwängen zerrissen wird.

Darüberhinaus entsteht Kultur spontan und ist in einem ständigen Entwicklungsprozeß begriffen. Oft ist die Entwicklung das Ergebnis des Kontakts zwischen verschiedenen Gemeinschaften. In Mosambik und anderswo spielen Kulturfestivals eine wichtige Rolle dabei, diese Ziele zu erreichen.

Veranstaltungen im Rahmen eines Kulturaustausches sind nicht nur ein Schaufenster für unsere traditionellen Kulturen, sondern sie zeigen auch die zivile und moralische Verantwortlichkeit unserer KünstlerInnen. Die Menschenrechtsverletzungen der späten siebziger Jahre veranlaßten viele von ihnen, sich und ihre Arbeit dem Kampf dagegen zu widmen.

Mein Land Mosambik ist an die 800.000 Quadratkilometer groß und wird von etwa 18 Millionen Menschen bewohnt: verschiedenste ethnische Gemeinschaften wie die Makua und Makonde im Norden, die Shona im Zentrum des Landes und die Chopi, Tonga und Shangaan im Süden. Neben der Amtssprache Portugiesisch werden nicht weniger als 40 verschiedene einheimische Sprachen gesprochen. Doch das schafft keine wirklich großen Probleme für den Kulturaustausch. Es braucht nur Zeit und Beharrlichkeit.

In Mosambik sorgen interkulturelle Festivals dafür, daß traditionelle afrikanische Kulturen überleben. Kulturen, die unter dem Einfluß der "neuen" Welt, die uns meistens per Fernsehen verkauft wird, vom Verschwinden bedroht sind.

Diese Veranstaltungen führen unserer Jugend die Bedeutung der mosambikanischen Kultur vor Augen - und auch die Möglichkeit, sie anderen Menschen aus aller Welt mitzuteilen. Diese Festivals fördern auch die nationale Einheit, obwohl jede Provinz im Lande anders ist. Sie bringen junge und alte Menschen aus kleineren und großen Städten zusammen, Menschen mit einem ganz unterschiedlichen Hintergrund, die nun zusammen unser gemeinsames Erbe feiern.

Diese Verschmelzungen haben neue Ausdrucksformen geschaffen: die Chope-Musik, wie sie Venancios Gruppe spielt, der junge Leute in sein Orchester einbaut, damit die Kultur weiterlebt. Mapiko, ein Tanz aus dem Norden mit arabischen Einflüssen. Oder zum Beispiel die Marrabenta, wie sie von Fanny M'pfumo und anderen gespielt wird, die aus den Melodien der alten Shangaan-Lieder und der Elektrogitarre des westlichen Twist entstand. Das ist weiterhin eine sehr volkstümliche Musik, die in ganz Mosambik und darüber hinaus populär ist. Die junge Musikgruppe "Ghorwane" hatte den Mut, afrikanische, Jazz und Rock-Musik miteinander zu verbinden, und sie sind heute eine unserer berühmtesten Bands.

Ich glaube daran, daß das Vermischen von Kulturen auch den Grad von Toleranz eines Volkes aufzeigt. Je mehr Länder die friedliche Botschaft dieser Sprache verstehen, statt sie zu fürchten oder zurückzuweisen, desto mehr kreative Möglichkeiten werden geboten. Ich lade Sie ein, die Traditionen und die Musik von Mosambik zu erleben. Schon die ersten Töne der Timbila, der Xitende, der Maracas, Mbira oder Trommeln werden Sie aufrütteln und in die gewaltige Kraft mosambikanischer Kultur einführen, die am besten das Wesen unserer Menschen widergibt.

Fatima Vieira wurde in den sechziger Jahren in Beira im Herzen von Mosambik geboren. Seit gut 20 Jahren fördert und vermittelt sie die traditionelle mosambikanische Musik, Kunst und Kultur in ganz Mosambik und im Ausland. Sie ist auch in der lokalen Film

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