Die Wunde der Gewalt

Von Martina Kopf · · 2006/03

Mit dem Tsunami ging vor einem Jahr ein Begriff durch alle Medien: psychisches Trauma. Kaum eine Zeitung, die nicht Fachleute aus Medizin und Psychologie zu Wort kommen ließ, um die psychischen Folgen einer solchen Katastrophe zu erläutern. Dies gilt nicht nur für unsere Breiten. Auch in Sri Lanka als einem der am meisten betroffenen Länder ist mit der Flutkatastrophe „Trauma“ zu einem national wichtigen Thema geworden. Doch zeichnet sich dabei noch etwas anderes ab. Die öffentliche Rede vom Trauma bringt andere Verletzungen an die Oberfläche, die nicht auf die Flut, sondern auf den Bürgerkrieg zurückgehen und lange verschwiegen wurden. „Der Tsunami war ein Ventil für wesentlich mehr“, resümiert Barbara Preitler, die auf Sri Lanka ein psychosoziales Zentrum zur Ausbildung von Traumafachleuten initiiert hat – eines der Projekte, das auf diesen Thema-Seiten vorgestellt wird.

Die Wunden, die Gewalt hinterlässt, wirken anders als die psychischen Folgen eines Erdbebens oder eines Zugunglücks. Ihnen ist nicht einfach über „trauma healing“ beizukommen – es sind Menschen darin verstrickt, die zu Tätern und Opfern wurden, andere, die wegsahen, nicht intervenierten oder selbst hilflos waren. Sobald es um Leid geht, das Menschen selbst und absichtsvoll verursacht haben, ist eine Gesellschaft ganz anders involviert, als wenn es um Unfälle oder Katastrophen ohne direktes menschliches Zutun geht. Und meist versagt sie gerade in der schlichtesten und zugleich schwierigsten Form der „Heilung“: die Wahrheit dessen, was geschehen ist, anzuerkennen und Überlebenden von Krieg, Folter oder häuslicher Gewalt Anteilnahme und Respekt entgegen zu bringen.

Zwar ist „Trauma“ ein westliches Konzept, doch die Phänomene, die es beschreibt und in den Griff zu bekommen versucht, sind in dieser oder ähnlicher Form wohl universell. Oder, mit den Worten einer Überlebenden des bosnischen Bürgerkriegs beschrieben: „Das Zerbersten der Seele ist überall gleich schmerzhaft auf diesem unserem gemeinsamen Planeten.“

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