Die zapatistische Auferstehung

Lange haben die ZapatistInnen in Mexiko in ihrem Lakandonischen Urwald geschwiegen. Plötzlich sind sie Ende Dezember schweigend und vermummt zu Zehntausenden in die Städte von Chiapas gezogen.

Von Werner Hörtner
Am frühen Morgen des 21. Dezember zogen tausende ZapatistInnen schweigend in die Städte von Chiapas.

An die mexikanische Bevölkerung! An die Völker und Regierungen der Welt! Brüder und Geschwister! Compañeros und Compañeras!“

Mit diesem Aufruf beginnt die Siebte Erklärung der ZapatistInnen, mit der sie sich nach siebenjährigem Schweigen an die Menschen in Mexiko und in der ganzen Welt wenden. Viele hatten dieses Schweigen bereits als Eingeständnis des Scheiterns der zapatistischen Bewegung interpretiert – und da tauchten plötzlich in den Morgenstunden des 21. Dezember 2012 Zehntausende zapatistische Frauen und Männer wie aus dem Nichts in den größeren Städten des Bundesstaates Chiapas auf. Ein düsterer und zugleich andächtiger Zug des Schweigens bewegte sich langsam durch die Zentren von San Cristóbal de las Casas, Altamirano, Ocosingo und andere Orte. Und am vorletzten Tag des vergangenen Jahres veröffentlichte dann das „Geheime revolutionäre indigene Komitee“ der Zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) die Siebte Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald.

Am 1. Jänner 1994 betraten  KämpferInnen der Zapatistischen Befreiungsarmee mit der Besetzung mehrerer Städte und Ortschaften in Chiapas das Blickfeld der internationalen Öffentlichkeit. Noch im selben Monat richteten sie sich mit ihrer „Ersten Erklärung“, unterzeichnet vom mittlerweile legendären Subcomandante Marcos, an die mexikanische Bevölkerung. Sie beginnt mit den Worten „Hoy decimos ‚Basta’!“ (Heute sagen wir: Es reicht!) In unregelmäßigen Abständen folgten dann weitere Erklärungen, bis zur sechsten im Juni 2005. Darin rief sie anlässlich der Repression der mexikanischen Armee den so genannten „Roten Alarm“ aus – eine Art Alarmbereitschaft und ein Aufruf an die zapatistischen Regierungs- und Verwaltungsinstanzen, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Dann folgte ein langes Schweigen.

Mit der Siebten Erklärung vom 30. Dezember wollen die ZapatistInnen offenbar ihre Phase des inneren Aufbaus und der Reflexion in eine Periode des aktiven Handelns überführen. Die EZLN kündigte an, dass sie in Kürze eine Reihe von zivilen und gewaltfreien Initiativen starten wolle. Damit wolle sie, zusammen mit anderen indigenen Völkern Mexikos und ganz Amerikas Widerstand „von unten und von links“ leisten und Brücken zu denjenigen sozialen Bewegungen bauen, „die bereit sind, eine linke Alternative jenseits des bestehenden Systems zu schaffen“.

Schon wenige Tage nach der „Erklärung“, am 2. Jänner, kam auch die Regierung von Chiapas mit einem Kommuniqué heraus, in dem sie sich bereit erklärte, mit der EZLN Vereinbarungen zu erzielen. Allerdings hatte es auch in der Vergangenheit immer wieder vollmundige Versprechen gegeben, denen dann nichts folgte.

Man kann gespannt sein auf die Überraschungen aus dem Lakandonischen Urwald. Die ZapatistInnen haben immer wieder gezeigt, dass sie sich etwas gut überlegen, bevor sie damit an die Öffentlichkeit treten.

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