Werner Leiss hört sich um

Diesseits und jenseits der Grenze

Neue Projekte aus dem Umfeld der international bekannten und renommierten Bands Giant Sand und Calexico aus Tucson, Arizona, lassen mit einem aufregenden musikalischen Mix aufhorchen.

Die Grenzstadt Nogales ist die Geburtsstadt von Sergio Mendoza. Sie zählt rund 20.000 EinwohnerInnen in den USA und mehr als zehnmal so viele in Mexiko. Mendoza kennt sich auf beiden Seiten bestens aus. Der Ort mit seinen vielfältigen musikalischen Traditionen hat den 35-jährigen Bandleader des Orkesta Mendoza geprägt. In seiner Kindheit dominierten Cumbia und Rancheras, dann entdeckte er den Rock ’n‘ Roll. Besonders die 1950er Jahre und Buddy Holly haben es ihm angetan. Dennoch ist Cumbia eine Konstante im musikalischen Werdegang, genauso wie Mambo im Geiste eines Pérez Prado.

Cumbia und Rock ’n‘ Roll. In Europa war Mendoza bislang durch sein Mitwirken in der Band Calexico ein Begriff. Mittlerweile ist das zweite Album mit seinem eigenen Projekt erschienen, mit dem ein fulminant vielseitiges, gleichfalls in sich geschlossenes Programm erarbeitet wurde. Seit längerem ist Mendozas Lebensmittelpunkt die Stadt Tucson. Genauso wie das auch bei den Mitgliedern von Xixa der Fall ist. Geleitet wird die Band von den Giant Sand-Mitgliedern Brian Lopez und Gabriel Sullivan. Auch bei ihnen ist eine deutliche Cumbia-Grundlage zu bemerken, ebenso wie oft bei Mendoza mit psychedelischem Einschlag.

Insbesondere bestechen sie durch ihre eigene Interpretation von Chicha, der peruanischen Variante der Cumbia, während der 1960er und 1970er Jahre im Amazonasgebiet und in Lima besonders beliebt. Dieser Sound korrespondiert tadellos mit der Wüstenlandschaft Arizonas. Es überrascht auch nicht, als Gast Iyad Moussa Ben Abderahmane zu entdecken, der aus einer ganz anderen Wüstengegend stammt. Er ist Mitglied der Tuareg-Band Imarhan und steuert auf einem Song Gitarre und Gesang bei.

Diskriminierendes Gesetz. Beide Bands verstehen es, außer Cumbia verschiedene andere lateinamerikanische Stile glaubhaft zu vermitteln und, vor allem im Falle von Xixa, auch noch eine gute Portion Wüstenrock dazu zu packen. Mit einem Schuss Nostalgie sind sie doch auf beeindruckende Weise auf der Höhe der Zeit. Und zu jeder Zeit muss von der Liebe die Rede sein. Aber auch die politische Situation in Arizona wird thematisiert. Im US-Bundesstaat existiert seit 2010 ein besonders striktes, diskriminierendes Gesetz (Arizona Senate Bill 1070), das die Exekutive animiert, von jedem und jeder schikanös die Papiere zu verlangen, wenn der oder die auch nur entfernt wie ein Mexikaner oder eine Mexikanerin aussieht. Sowohl das Orkesta Mendoza mit seinem Album „¡Vamos a Guarachar!“, als auch Xixa mit „Bloodline“ sind auf dem Label Glitterhouse/Glitterbeat erschienen und in Österreich im Vertrieb Hoanzl erhältlich.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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