Dieter Boris / Albert Sterr: FOXtrott in Mexiko

Demokratisierung oder Neopopulismus?

Von Christine Zeiner
ISP Verlag, Köln 2002, 270 Seiten, € 18,50

Am 2. Juli 2000 endete die über 70 Jahre dauernde Herrschaft der „Partei der Institutionellen Revolution“ (PRI) in Mexiko. An ihre Stelle trat die konservative „Nationale Aktionspartei“ (PAN) mit Präsident Vicente Fox.
Genannte Intention der Autoren war es, eine Zwischenbilanz der „Ära Fox“ zu ziehen. Zusammen mit dem nicht unbedingt leserfreundlichen Layout des Buches mag dieser spezifische Ansatz LeserInnen ohne entsprechendes Mexiko-Hintergrundwissen abschrecken. Die Analyse von Dieter Boris und Albert Sterr richtet sich aber nicht an eine begrenzte Leserschaft: Eingehend verweisen die Autoren auf den historischen Kontext der beleuchteten Aspekte und setzen somit kein besonderes Wissen voraus.
Boris und Sterr zeichnen ein düsteres Bild der bisherigen Amtszeit Fox. Der zu Wahlkampfzeiten versprochene Wandel und die behauptete Wohlstandssteigerung für ganz Mexiko sind ausgeblieben. So beträgt beispielsweise in der Automobilindustrie der mexikanische Lohn ein Zehntel des US-Lohns. Arbeits- und Lohnbedingungen vieler Betriebe sind schlecht. Das von Fox formulierte „erste Anliegen“ – die Bekämpfung der Armut – wurde nicht in Angriff genommen.
Ein Kapitel des Buches behandelt Aufstands- und Guerillabewegungen. Hier wird das Versagen der Fox-Regierung besonders deutlich. Der heutige Präsident hatte ja im Wahlkampf lässig behauptet, den Chiapas-Konflikt in 15 Minuten zu lösen. Doch die Verabschiedung der Indígena-Autonomie-Rechte war schließlich ein Willkürakt von oben gegen den Willen der indigenen Völker.
Als LeserIn kann sich die Frage aufdrängen, ob oder inwieweit ein „Wandel von oben“ überhaupt möglich ist. In diesem Zusammenhang sei auf jene Passagen im Buch hingewiesen, die auf Selbstorganisation der Zivilgesellschaft eingehen.

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