Dole auf dem Prüfstand

Eine Südwind-Aktion brachte hohen Besuch des weltgrößten Produzenten und Anbieters von frischem Obst und Gemüse nach Wien. Versuch einer Wahrheitsfindung.

Von Werner Hörtner
Im vergangenen März tauchten in den SPAR-Märkten in Österreich plötzlich Bananen des Obst-Multis Dole zu dem sensationell niedrigen Preis von 0,99 Euro pro Kilo auf. Und nicht nur das: 2 Cent pro Kilo werden in die Anschaffung eines mobilen Gesundheitspostens für die Plantagenregion an der Atlantikküste Costa Ricas investiert. "Genießen und dabei Gutes tun!" - so der Slogan von Spar-Dole. Ein umwerfender Spruch: Labsal für Leib und Seele.

Doch Südwind ließ sich nicht umgarnen und blickte hinter die Kulissen. Und sah dort ein anderes Bild: unzumutbare Arbeitsbedingungen auf den Plantagen von Dole und dessen Zulieferbetrieben, Behinderung gewerkschaftlicher Organisierung, Niedrigstlöhne für die Beschäftigten.

Südwind qualifizierte diese "humanitäre" Aktion als Irreführung der KonsumentInnen und als Werbung für Dole und richtete ein entsprechendes Schreiben an Spar Österreich, das binnen weniger Tage von fast tausend Menschen an den Handelskonzern versendet wurde. Wie so üblich in der Branche, folgte bald ein Antwortschreiben an die kritischen KonsumentInnen, dem auch eine Stellungnahme von Dole beigelegt war, unterzeichnet von Sylvain Cuperlier, Vizepräsident des Multis und Direktor der CSR-Abteilung. Herr Cuperlier gibt darin einen ausführlichen Überblick über die Bemühungen des Unternehmens, internationale Arbeits- und Umweltrichtlinien einzuhalten bzw. zu übertreffen.

Ende Mai traf der französische Vizepräsident von Dole, aus Paris kommend, in Wien zu einem Gespräch mit Südwind ein, um das er gebeten hatte. Der hohe Gast spricht ausgezeichnet Deutsch, zeigt sich freundlich und umgänglich und von jovialer Art. Das offene Gespräch dreht sich um Arbeitsrechte und Gewerkschaften und Doles entsprechende Politik.

"Die Beziehung zu den Gewerkschaften ist etwas Kompliziertes für eine große Firma wie Dole", gesteht Herr Cuperlier ein. In manchen Ländern, wie in Honduras und in Kolumbien, gebe es gute, konfliktfreie Beziehungen, in anderen nicht. In Ecuador und Costa Rica etwa. Der Dole-Vertreter gibt die Probleme offen zu, weist aber auch auf die Versuche des Konzerns hin, die Situation zu verbessern. Mit COSIBA-CR, der Gewerkschaft der ArbeiterInnen auf den Bananen- und Ananasplantagen in Costa Rica, wurde schon vor zwei Jahren ein Rahmenvertrag abgeschlossen, der ein konstruktives Zusammenarbeiten ermöglichen soll. Doch Dole hat so gut wie alle Vereinbarungen gebrochen, meint die andere Seite, und beschwert sich, dass der Konzern in Costa Rica pseudogewerkschaftliche Komitees finanziell unterstützt, die die Arbeit der unabhängigen Gewerkschaften behindern. Es werde derzeit in der Firma diskutiert, diese Unterstützung einzustellen, meint Herr Cuperlier. Zumindest gibt es in Costa Rica einen intensiven Kommunikationsprozess zwischen Gewerkschaft und der Konzernvertretung.

In Ecuador steht ein ähnlicher Vertrag zwischen Dole und der zuständigen Gewerkschaft kurz vor dem Abschluss. Das Problem dort ist die "nicht gerade pro-gewerkschaftliche Einstellung" der etwa 200 Produzenten, von denen Dole einkauft. Der Konzern hat ein großes Meeting mit allen betroffenen Parteien einberufen, einschließlich dem Arbeitsminister: "Die Produzenten haben verstanden, dass sie nicht gegen die Gewerkschaften handeln können."

In Kolumbien hat der Konzern alle Plantagen, auch die der Schnittblumen, an die Unternehmensgruppe Cadavid verkauft, die für ihre gewerkschaftsfeindliche Politik bekannt ist. Und die guten Beziehungen Doles zur Gewerkschaft SINTRAINAGRO und dessen Präsident Guillermo Rivera sind eine Feststellung, die noch zu überprüfen ist. Auf jeden Fall hat diese Gewerkschaft Ende Mai einen zweiwöchigen Streik von 17.000 Beschäftigten erfolgreich mit einem vorteilhaften neuen Tarifvertrag beenden können.

Ein US-Anwaltsbüro hat kürzlich in Kalifornien, dem Firmensitz von Dole, Klage gegen den Konzern wegen "ungerechtfertigter Tötung" (wrongful death) erhoben. Paramilitärische Verbände hätten in Komplizenschaft mit Dole in der Region Magdalena Medio in Kolumbien Gewerkschaftsaktivisten ermordet, die gewerkschaftliche Organisierung der PlantagenarbeiterInnen behindert, tausende Bauernfamilien vom Land vertrieben. Der US-Kongress habe die Vorwürfe untersucht und als nicht wahr befunden, sagt Herr Cuperlier.

Die Frage, was in diesem ganzen Geflecht von Feststellungen, Behauptungen und Meinungen real oder fiktiv, wahr oder unwahr ist, lässt sich natürlich schwer beantworten. Südwind wird sich bemühen, durch eigene Recherchen "Licht ins Dunkel" zu bringen, und wird weiter berichten.

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