E-Mail aus: DR Kongo

Von Redaktion · · 2016/03

Von: Thomas Seifert

Betreff: Grenzen

Liebe Redaktion,

der Grenzübergang Ruzizi I, Cyangugu (Ruanda) liegt schon hinter uns, der Geländewagen steht nun auf der „Avenue Président Mobutu“, was zwar nach Grandeur klingt, aber keine ist. In Ruanda war die Straße bestens in Schuss, in der Demokratischen Republik Kongo ist das Asphaltband einer Piste gewichen. In Ruanda nehmen die Grenzbeamten Fingerabdruck-Scans und tippen auf ihren Computertastaturen, in Kongo schreiben sie in dicke, schon speckig gewordene Grenzübertritts-Bücher. Eine kurze Fahrt über eine Brücke ist die Reise in eine andere Welt.

Wie kann das sein? Kann eine dünne Linie auf einer Landkarte eine so große Bedeutung haben? Ja, das kann sie.

Ruanda war nach dem Genozid im Jahr 1994 und dem Sieg der Tutsi über die „Génocidaires“ der erklärte Liebling der Hilfsorganisationen, und die Regierung war zumindest anfangs effizient und erfolgreich – auch wenn in den letzten Jahren die Kritik an Präsidenten Paul Kagame lauter geworden ist. Der Kongo kommt hingegen seit einem halben Jahrhundert nicht zur Ruhe. Von Bukavu – der Stadt gleich hinter dem Grenzübergang Ruzizi – ist es sehr, sehr weit in die Hauptstadt Kinshasa. Das Land ist geplagt von Korruption und Bürgerkrieg. Nachbarn und auch internationale Mächte haben es auf die reichen Bodenschätze abgesehen. Wer in Europa nach weniger Staat ruft oder den Einfluss von Regierungen beklagt, der sollte an diese Grenze fahren. Der Vergleich würde das eigene Weltbild ins Wanken bringen.

Liebe Grüße, Thomas

Basic

Berichte aus aller Welt: Lesen Sie das Südwind-Magazin in Print und Online!

  • 6 Ausgaben pro Jahr als Print-Ausgabe und/oder E-Paper
  • 48 Seiten mit 12-seitigem Themenschwerpunkt pro Ausgabe
  • 12 x "Extrablatt" direkt in Ihr E-Mail-Postfach
  • voller Online-Zugang inkl. Archiv
ab € 25 /Jahr
Abo Abschließen
Förder

Mit einem Förder-Abo finanzieren Sie den ermäßigten Abo-Tarif und ermöglichen so den Zugang zum Südwind-Magazin für mehr Menschen.

Jedes Förder-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo.

84 /Jahr
Abo Abschließen
Soli

Mit einem Solidaritäts-Abo unterstützen Sie unabhängigen Qualitätsjournalismus!

Jedes Soli-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo.

168 /Jahr
Abo Abschließen